Der Kommentar: Bundesrätin Simonetta Sommaruga weiss, dass es Lohndiskriminierung im klassischen Sinn -- Frauen verdienen weniger als Männer für die gleiche Arbeit -- kaum mehr gibt. Unzählige Studien belegen das. Nicht zuletzt eine, die sie selbst in Auftrag gegeben hat. Sie stammt von der Universität St. Gallen und kritisiert die Analysemethode des Bundes, die Lohnunterschiede zu messen. Würde der Bund nach dem neuesten Stand der Wissenschaft die Lohnunterschiede messen, würden sie wesentlich kleiner ausfallen.

Doch was macht die Justizministerin? Wider besseres Wissen beharrt sie weiterhin auf dem Kampfbegriff der Lohndiskriminierung. Er muss herhalten, um umstrittene Lohnkontrollen in den Betrieben zu rechtfertigen. Eine entsprechende Änderung
des Gleichstellungsgesetzes befindet sich in Vernehmlassung. Für die Unternehmen bedeuten diese Kontrollen einen zusätzlichen administrativen Aufwand.

Mit ihrer Fixierung auf Lohndiskriminierung tut die Bundesrätin den Frauen keinen Gefallen. Die Lohndebatte schiesst weit am Ziel vorbei. Das eigentliche Problem ist: Dass es in der Schweiz nach wie vor mehrheitlich die Frauen sind, die sich um die Kinder kümmern und deshalb lange Zeit nur Teilpensen arbeiten. Die Männer dagegen arbeiten weiterhin meist Vollzeit und erklimmen so die Karriereleiter schneller. Wenn schon, dann gilt es diese aufgezwungenen Präferenzen anzupacken. Familienpolitik ist das Thema – nicht Lohnkontrollen in den Unternehmen.

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