Der Kommentar: Es wird wohl Tschümperlins Geheimnis bleiben, welcher Teufel ihn genau geritten hat, als er die abstruse Idee lancierte. Mitgespielt hat mit Sicherheit seine Enttäuschung darüber, dass die 65-jährige Susanne Leutenegger Oberholzer entgegen seinen Plänen ins Vizepräsidium der Wirtschaftskommission gewählt wurde.

Der Rohrkrepierer, es ist nicht sein erster, dürfte Tschümperlins Glaubwürdigkeit in der SP-Fraktion nachhaltig schaden. Als Fraktionspräsident darf er nicht Spaltpilz spielen, er muss seine Equipe zusammenhalten. Bei seiner Wahl zum Fraktionschef im Februar 2012 sagte er selbst: «Wir sind eine Partei für alle – auch in der Fraktion.»

Mindestens so quer in der Landschaft steht die Forderung inhaltlich. Rentenalter 65 für Politiker ist nicht nur willkürlich und undemokratisch, es schadet auch der Qualität der politischen Arbeit. Gerade in unserer schnell- und kurzlebigen Zeit braucht es nicht weniger, sondern eher mehr Leute mit Lebenserfahrung. Leute, die Krisen gemeistert haben und wissen, wie man das anstellt. Die sich daran erinnern, was vor 20 oder 40 oder 60 Jahren war.

Aber es braucht auch Junge, die neue Ideen einbringen. Mittelalterliche, die Brücken schlagen. Wichtig ist in Parlamenten und Regierungen ebenso wie in der Arbeits- und Familienwelt, dass alle Generationen mitreden. Ob eine Amtszeitbeschränkung als Alternative klug ist, steht auf einem Blatt Papier: Letztlich sollte allein der Souverän entscheiden, ob er jemanden nochmals wählen will oder nicht.

Etwas, immerhin, ist Tschümperlin zugutezuhalten: Er hat eine wichtige Debatte neu lanciert.

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