Der Kommentar: Der Rückzug westlicher Firmen aus Iran erfolgt nicht freiwillig. Zu lange konnten Konzerne wie Siemens Millionen auf dem Wachstumsmarkt Iran verdienen, während ihr Geschäft in der westlichen Welt stagnierte.

Die instabile innenpolitische Lage in Iran und der enorme Druck aus den USA haben dem Boom nun doch ein Ende gesetzt. Endlich. Auch wenn er nicht aus Einsicht heraus erfolgt: Der Rückzug ist das richtige Signal.

Im Atomstreit konnte Iran dem Westen jahrelang auf der Nase herumtanzen – weil die Führung in Teheran wusste, dass ihr Land äusserst attraktiv ist für westliche Konzerne. Einen Teil der Milliarden aus dem Ölverkauf steckte Iran in den Bau von Krankenhäusern, U-Bahnen und öffentlichen Einrichtungen. Westliche Firmen und ihre iranischen Agenten verdienten sich eine goldene Nase – und untergruben so die Bemühungen der westlichen Staaten, die iranische Führung zu isolieren.

Wer als Handelspartner gefragt ist, hat Macht. Das wusste Teheran meisterhaft zu nutzen. Doch wer mit einem Regime, das Telefon und E-Mail-Verkehr seiner Bürger überwacht, das Oppositionelle mit dem Tod bestraft und ein Klima der Angst schürt, begierig Handel treibt, macht sich die Hände dreckig. Dies gilt umso mehr, als grosse Teile der iranischen Wirtschaft von den Pasdaran, den Revolutionswächtern, kontrolliert werden. Wenn sich westliche Firmen nun aus Iran zurückziehen, ist das eine grosse Chance.

Natürlich leidet unter einem Boykott zunächst das Volk. Doch das grosse Geld kam bei den einfachen Leuten ohnehin nie an. Gut ausgebildete Akademiker verlassen das Land schon lange in Scharen. Natürlich werden nun Russen und Chinesen ihre Vormachtstellung in der iranischen Wirtschaft ausbauen. Doch diese Entwicklung ist nicht nachhaltig: Zu sehr ist das iranische Volk auf westliche Markenprodukte fixiert. Zu sehr schätzt man europäische Qualitätsarbeit und achtet chinesischen Ramsch gering. Langfristig wird der Westen gute Geschäfte mit Iran machen. Doch eines muss nach dem anderen passieren: Zunächst muss das diktatorische Regime in die Schranken gewiesen werden und das iranische Volk bei seinen Bemühungen um mehr Freiheit unterstützt werden.