Erleichterte Einbürgerung: Die Zeit ist reif

Dreimal hat das Schweizer Stimmvolk an der Urne die erleichterte Einbürgerung junger Ausländer abgelehnt, zuletzt im Jahr 2004. Damals beherrschten «Jugo-Raser» die Schlagzeilen. Politologen erklärten, die Raser-Serie habe den Ausschlag für das knappe Nein (52 Prozent) gegeben.

Heute machen «Jugos» wieder Schlagzeilen. Aber diesmal positive: Jeder dritte Kicker in der U17-Nati hat seine Wurzeln im Balkan. Hätten wir eine faire Einbürgerungspraxis, wären es noch mehr. So wurde dem FC-Zürich-Talent Josip Drmic der Pass verweigert. Er ist gut integriert, möchte für die Schweiz und nicht für Kroatien spielen, fiel aber beim Einbürgerungstest durch: «Zehn Leute befragten mich, da wurde ich nervös und hatte ein Blackout», begründete Drmic.

Dieses Beispiel, das an den Film «Die Schweizermacher» mit Emil Steinberger erinnert, ist im Jahr 2009 grotesk. Es steht stellvertretend für viele und wurde nur publik, weil der Einbürgerungswillige ein Jungstar ist. Sogar SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi räumt ein: «Wegen Vorurteilen kann es bei Einbürgerungen manchmal Fehlentscheide geben.»

Es ist richtig, dass das Parlament jetzt einen neuen Anlauf nimmt und eine Verfassungsrevision plant. Ausländer der dritten Generation sollen den roten Pass mit einem schnellen, einfachen Verfahren erhalten. Eine Zwängerei ist das nicht. Denn erstens wurde gegenüber der Vorlage von 2004 der Automatismus rausgenommen; den Pass solls nur auf Antrag geben. Und zweitens ist es hierzulande normal, dass Gesetzesänderungen mehrere Anläufe brauchen. Das war auch beim Frauenstimmrecht so.

Die Zeit ist reif für einen unverkrampfteren Umgang mit Einbürgerungen. Die Schweiz profitiert nicht nur im Fussball von den Nachkommen ausländischer Eltern. Auch in der Wirtschaft und im Militär sind sie gefragt, und die SVP wollte mit Mauro Tuena, einem italienischstämmigen Schweizer, in den Zürcher Stadtrat einziehen.

Vielleicht gewinnt die U17-Nati heute den Weltmeistertitel. Ebenso schön wäre ein Erfolg der neuen Einbürgerungsvorlage. Auch das wäre ein Sieg für die Schweiz.

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