Erfreulich ist ein Irrtum, der die Schweizer Wirtschaft betrifft. Fast zwei Jahre ist es her, seit die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat. Der Abbau von Zehntausenden von Stellen vor allem in der Exportwirtschaft wurde vorhergesagt, Konjunkturforschungsinstitute prognostizierten eine Rezession. Als die Katastrophe 2015 noch nicht eintrat, wurde sie auf 2016 verschoben. Und wieder blieb sie aus. Die Wirtschaft wuchs, die Arbeitslosigkeit ist bei rund 3 Prozent stabil.

Damit ist nicht gesagt, dass die schwierige Währungssituation definitiv gemeistert ist: Die Überbewertung des Frankens gegenüber dem Euro bleibt für viele Branchen, namentlich für den Tourismus, eine riesige Herausforderung – und die Negativzinsen der Nationalbank, die den Franken schwächen sollen, führen zu hohen Kosten. Aber angesichts der einstigen Schreckensszenarien erweist sich die Schweizer Wirtschaft als höchst widerstands- und anpassungsfähig.

Ein besonders eindrückliches Beispiel ist das Thurgauer Bahnbau-Unternehmen Stadler. Dessen Chef und Eigentümer Peter Spuhler trat nach dem ersten Franken-Schock als SVP-Nationalrat zurück, weil das Unternehmen, das seine Züge und Trams mehrheitlich exportiert, davon stark getroffen wurde und er sich voll auf die Firma konzentrieren wollte. Als wir Spuhler vergangene Woche zum Interview trafen, sagte er, er sei selber überrascht, wie Stadler die Währungssituation bewältigt habe. Offenbar so gut, dass sich Spuhler nun wieder eine Rückkehr nach Bundesbern vorstellen kann.

So wie Stadler haben hierzulande Tausende von Betrieben, vom Berghotel bis zum Industriekonzern, ihre Agilität bewiesen. Diese Fähigkeit ist entscheidend in einer Zeit, die unberechenbar geworden ist und Prognosen Lügen straft. 2017 wohl mehr denn je.
Ein gutes neues Jahr!

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