Der Kommentar: Die ARD-«Tagesschau» kommentierte das Nein der Niederländer zum Ukraine-Vertrag ungewohnt scharf. Das Votum sei ein «Sieg der EU-Hasser», sagte der Brüssel-Korrespondent, «eine Katastrophe». Zum wiederholten Mal zeigt sich: Wo immer die Bürger ausnahmsweise mal über ein Thema abstimmen können, das die EU betrifft, gibt es ein Nein. Diesmal waren es die Holländer, letztes Jahr die Dänen (Justizabkommen) und die Griechen (Sparpaket). Neu ist das Phänomen nicht: Schon 2005 hatte Frankreich die europäische Verfassung abgelehnt. Seither ist das Misstrauen gegenüber der EU wegen der Schulden- und der Flüchtlingskrise noch gewachsen. Darum ist die Nervosität vor dem Brexit-Referendum in Grossbritannien gross.

Für die Schweiz, die gerade ihr Verhältnis zur EU neu auszustecken versucht, heisst das zunächst zweierlei: Wir sind für Brüssel nicht das Hauptproblem. Und wir sind mit der EU-Skepsis keine Aussenseiter, sondern typische Europäer. Ex-Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (SP) sagte es kürzlich in dieser Zeitung unverblümt: Von einem Austritt Grossbritanniens aus der EU würde die Schweiz profitieren, sie könnte gemeinsam mit den Briten eine neue Art von Beziehung zur EU aushandeln.

Auf ein Auseinanderbrechen der EU zu hoffen, wäre aus Schweizer Sicht aber töricht. Eine funktionierende Union ist für die wirtschaftliche Prosperität und auch für unsere Sicherheit zentral. Die EU wird ihren schleichenden Zerfall nur stoppen können, wenn sie die Volksentscheide ernst nimmt und sich ihre Legitimität neu erarbeitet. Das wäre das Beste für die EU, deren Bürger und auch für die Schweiz.

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