Der Kommentar: «Wie töricht!», rief gestern die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» dem britischen Premierminister David Cameron zu. Dieser hat sein Land «von Europa abgekoppelt», wie «Spiegel online» kommentierte: Grossbritannien verweigert sich der Haushaltunion, die von den Mitgliedsländern eine strikte Ausgabendisziplin verlangt und wohl den Anfang einer sehr weitgehenden politischen Union bedeutet. Diese dürfte beispielsweise eine gemeinsame Sozialpolitik umfassen.

In Deutschland, aber auch in Frankreich und überhaupt in der EU hat kaum jemand Verständnis für die bockigen Briten. Aus Schweizer Sicht irritiert dieses England-Bashing. Camerons Argumente kommen uns bekannt vor, denn es sind unsere eigenen: Der Premier will «keinen Souveränitätsverlust», es geht ihm um «die Interessen des Finanzplatzes». Das mag aus EU-Sicht unsolidarisch sein – es ist aber ehrlich und auch legitim.

Der Gipfel hinterlässt eine zweigeteilte EU: hier die 17 Mitgliedsländer, die den Euro haben. Sie werden jetzt zur Turbo-EU, sie rücken noch näher zusammen – aus purer Not. Dort Grossbritannien, das von Schweden, Tschechien und Ungarn teilweise unterstützt wird. Es ist die Rest-EU der Skeptiker.

Was bedeutet diese Aufteilung für die Schweiz? Unser Hauptinteresse gilt der Stabilität des Euro. Bricht er auseinander, führt das zu einem noch stärkeren Franken. Doch wir haben auch ein Interesse daran, dass uns die EU auf dem bilateralen Weg nicht als einheitlicher Block gegenübersteht. Eine EU der zwei Geschwindigkeiten – sie kommt der Schweiz entgegen.

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