ENERGIESPAREN NÜTZT DER WIRTSCHAFT

Die Nachricht: Der Stromverbrauch in der Schweiz ist in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent angestiegen. Die Produktion erneuerbaren Stromes hat in dieser Zeit nur um zwei Prozent zugenommen.

Der Kommentar: In den letzten Jahren sind unsere Energieverbräuche gestiegen, vor allem der Stromverbrauch nimmt laufend zu. Seit dem Jahr 2000 sind es beim Strom rund zehn Prozent mehr. Die Produktion an erneuerbarem Strom hat in derselben Zeit aber nur rund zwei Prozent zugenommen. Trotzdem reden alle von erneuerbaren Energien, von Energieeffizienz, von Cleantech und von innovativen Techniken.

Da stimmt also etwas nicht: Die Realität des laufend steigenden Energieverbrauchs steht im totalen Widerspruch mit den schönen Visionen vom Ausstieg aus dem Öl und der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien.

Energie Schweiz will hier ansetzen, und in den nächsten zehn Jahren einen bedeutenden Beitrag leisten. Das Programm soll den Trend brechen und dazu führen, dass energetische Innovation und Reduktion der Energieverbräuche Hand in Hand gehen.

Bestandene Ökonomen werden natürlich sofort einwerfen, das gehe nicht: Wachstum der Wirtschaft und technologische Fortschritte gingen immer einher mit mehr Energieverbrauch. Eine energetisch nachhaltige Entwicklung sei nur mit höheren Kosten und grossen Anpassungsinvestitionen der Wirtschaft zu leisten. Das schade der Wirtschaft.

Energie Schweiz zeigt, dass dem nicht so ist. Das Programm hat über 20 Jahre Erfahrungen gesammelt und viele Beweise dafür auf den Tisch gelegt, dass eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und dem Energieverbrauch möglich ist. Heute lohnt es sich wirtschaftlich, in energieeffiziente Technologien und erneuerbare Energien zu investieren und so mit weniger Energieverbrauch und mehr erneuerbarer Energie Geld zu verdienen.

Dafür sprechen einerseits die internationalen Märkte: Namhafte Bankiers auch der Schweiz gehen davon aus, dass sich diese Investitionen, vor allem in die Wind- und Solarbranche sowie hocheffiziente Technologien in wenigen Jahren, vervielfachen werden. Heute sind es laut Experten weltweit 150 bis 200 Milliarden Franken pro Jahr. Sicher sind solche Investitionen lohnender als die jährlich unproduktiven 5 bis 10 Milliarden Franken, welche die Schweizer in den letzten Jahren allein für höhere Ölpreise in die Schatullen der ausländischen Ölkonzerne einbezahlt haben.

Andererseits belegen viele konkrete Beispiele von Energieinvestitionen in der Schweiz: Über die Lebensdauer von elektrischen Geräten und Lampen lohnt sich der Mehrpreis, dasselbe stimmt beim Bau eines Minergie-Gebäudes und für viele weitere Beispiele. Es lohnt sich, wenn der Bund – zum Beispiel über Energie Schweiz – Geld in die Hand nimmt, um gute Energieprojekte zu unterstützen.

Denn der «Subventionsfranken» löst das fünf- bis zehnfache an privaten Energieinvestitionen aus, welche wiederum nachhaltige Arbeitsplätze in der Schweiz und volkwirtschaftliche Effekte schaffen. Das hat kürzlich auch eine Studie des weltweit renommierten McKinsey-Instituts bestätigt.

Der Bundesrat hat im Juni 2010 grünes Licht gegeben, damit Energie Schweiz in den nächsten zehn Jahren weitergeführt werden kann. Das Programm hat bisher vielen Ideen zum Durchbruch verholfen: So dem Gebäudestandard Minergie, dem ökologischen Fahrverhalten Eco-Drive, der E-Mobilität der Zweiradfahrzeuge, den Energie-Etiketten, dem Gebäudeenergieausweis, den Energieprogrammen von Unternehmen oder den Energiestädten.

Dieser Erfolg reicht jedoch für die erforderliche Trendwende nicht aus. Das Programm hat deshalb den Ehrgeiz, noch besser zu werden und vor allem auch Informationen und Beratung zu liefern: Wir stehen heute an der Schwelle einer technologischen Revolution. Wer in die Zukunft investiert, braucht finanzielle Mittel. Neben dem Geld braucht es vor allem aber auch Köpfchen: Energie Schweiz will die Entwicklungen bekannt machen, Erfahrungen guter Projekte vermitteln, Aus- und Weiterbildung im Energiesektor vorantreiben. Erst wer weiss, wie die neusten Technologien eingesetzt werden können, kann diese Revolution auch nutzen.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.

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