In diesen Tagen kann gleich von zwei Lancierungen berichtet werden. In Basel startete das mulitmediale Projekt «TagesWoche», in Zollikon ZH das reine Printprodukt «Reportagen».

Beide Produkte fallen durch eigenwilliges Format auf. Die «TagesWoche» kommt nordisch-handlich daher, «Reportagen» liegt als schmales Taschenbuch ebenfalls gut in den Fingern. Auffällig und ungewöhnlich für die Schweiz auch die Typografik. Das Wochenperiodikum verfügt über ein grosszügiges Layout, das dank origineller Bildauswahl zusätzlich an Kraft gewinnt. Die ZweiMonate-Postille verzichtet konsequent auf Fotos und erhebt so den Text zur absoluten Hauptsache. Die Covergestaltung erinnert entfernt an die «Weltbühne», die vor weiland hundert Jahren die besten deutschsprachigen Autoren der Zeit an sich binden konnte.

Auch in «Reportagen» tummeln sich brillante Schweizer Schreiber. Erwin Koch, Margrit Sprecher und Ruedi Leuthold beherrschen die literarische Reportage wie kaum andere in diesem Land. Sie beweisen ihre Meisterschaft erneut mit links. Mit Karin Wenger ist auch eine der jüngeren Hochbegabungen im ambitionierten Magazin vertreten.

Die «TagesWoche» kann sich ebenfalls auf bewährte Kräfte verlassen. Die Analyse von Urs Buess zu den eidgenössischen Wahlen etwa führt auch fünf Tage danach noch zu Erkenntnisgewinn. Hintergrundberichte zum Beispiel über die Umweltkatastrophe von 1986 oder das liebevoll geschriebene Porträt einer Chilbifahrerin sind ein Lesegenuss. Überraschenderweise fehlt eine aufsehenerregende Recherchegeschichte aus dem Grossraum Basel. Da besteht noch viel Profilierungspotenzial.

Wie auch immer und trotz einigen wenigen Mängeln: Dies war eine gute Woche für den Schweizer Journalismus.

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