Während sechs Wochen reiste ich quer durch die Vereinigten Staaten und berichtete über Land und Leute. Sechs Städte – San Francisco, Salt Lake City, Omaha, Chicago, Detroit, New York – zeigten das vielseitige Gesicht dieses faszinierenden Landes. Ein Land, das gleichzeitig kultureller Schmelztiegel als auch Flickenteppich ist.

Die USA sind gespalten durch verschiedene Kulturen, Religionen, Stadt und Land, Armut und Reichtum. In San Francisco kämpfen die Schwulen und Lesben um ihre Rechte, nachdem sich die mormonische Kirche erfolgreich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt hatte. Der Unmut in der Schwulen- und Lesbenhochburg ist gross. In Salt Lake City hingegen, dem Zentrum der Mormonen, hofft man, dass mit Mitt Romney erstmals ein Glaubensbruder ins Weisse Haus einziehen wird.

Land vs. Stadt
In den ländlichen Staaten, weit weg von den grossen Städten an der Ost- und Westküste inmitten von Mais- und Sojafeldern, herrscht weiterhin grosser Konservatismus. Präsident Obama gilt hier bei vielen Leuten als Muslim, der nicht in den USA geboren wurde. Und man fürchtet um das Recht, eine Waffe zu besitzen, sollte der Demokrat wiedergewählt werden. In seiner Heimatstadt Chicago hingegen kann sich Obama auf eine Stammwählerschaft verlassen, die sogar in die angrenzenden Swing States reist, um unentschlossene Wähler von ihrem Kandidaten zu überzeugen.

In Detroit, Michigan, zeigt sich, wie die amerikanische Wirtschaft langsam wieder zulegt. Hier rettete Präsident Obama die Autoindustrie und somit tausende von Jobs. Mitt Romney ist kein gern gesehener Gast. Doch Detroit ist auch das beste Beispiel des wirtschaftlichen Niedergangs der Vereinigten Staaten. Die Konkurrenz aus Asien macht den Automanufakturen das Leben schwer. Zahlreiche Gebäude und Nachbarschaften sind völlig menschenleer.

Doch die USA lassen sich nicht so einfach einteilen. San Francisco ist zwar hochgradig liberal, doch sobald man die Stadt verlässt, stösst man in konservative Gegenden Kaliforniens vor, in denen dunkelheutige Menschen in Restaurants noch immer komisch angesehen werden. In Utah wird Mitt Romney haushoch gewinnen. Doch es gibt auch viele liberale Mormonen, und sobald die Themen Abtreibung und Homo-Ehe politisch vom Tisch sind, dürften viele von ihnen wieder demokratisch wählen.

Viele Unterschiede – eine Nation
Omaha liegt im ultra-republikanischen Nebraska. Aber auch Nebraska ist in den letzten Jahren vielfältiger und bunter geworden. Mittlerweile gibt es in Omaha sogar ein islamisches Zentrum, dessen muslimische Mitglieder nicht mehr aus der US-Gesellschaft wegzudenken sind.

Trotz all dieser Differenzen kommen die Amerikanerinnen und Amerikaner am 6. November zusammen, um ihren Präsidenten zu wählen. Er wird 313 Millionen Menschen führen müssen. Den Menschen im Land Jobs beschaffen. Kriege steuern. Das Staatsdefizit in den Griff bekommen. Und er muss seinem Volk Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Denn das Volk will wieder glauben. Daran, dass der amerikanische Traum nicht nur ein Mythos aus der Vergangenheit ist.

Egal ob der amerikanische Präsident nach den Wahlen Mitt Romney oder Barack Obama heissen wird. Er wird es nicht einfach haben.

Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlich für die Aufmerksamkeit in den vergangenen sechs Wochen und wünsche weiterhin einen spannenden US-Wahlkampf.

Thank you and goodbye!