Diese Hochstilisierung ist riskant. Denn: Sollte das Volk die
Initiative am 13. Februar annehmen, müsste man diese Entscheidung in der Logik der Initiativ-Gegner als «Ja zur Armeeabschaffung» interpretieren. Eine Steilvorlage für jene Kreise, welche die Armee tatsächlich schwächen oder abschaffen wollen.

Die Sirenen-Rhetorik der Initiativ-Gegner wirkt wenig glaubwürdig. Gleich die «Entwaffnung der Schweiz» heraufzubeschwören und unser Land wehrlos einer ausländischen Macht ausgeliefert zu sehen (welcher eigentlich?) – an solche Märchen glauben auch viele Armeefreunde nicht. Dies belegen abweichende Ja-Positionen von CVP- und FDP-Politikern und von SVP-Ständerat This Jenny. Dass diese Politiker die Armee abschaffen wollen, ist etwa so naheliegend wie ein Vorstoss von Christoph Blocher für einen EU-Beitritt.

Letztlich werden es die Emotionen und nicht die Armeefrage sein, welche die Abstimmung entscheiden. Die Befürworter argumentieren mit Tötungsdelikten und Suiziden, die mit Armeewaffen begangen werden. Die Gegner werden vermehrt auf das urschweizerische Prinzip der Eigenverantwortung setzen: Ein Eidgenosse lässt sich nicht vom Staat diktieren, ob er seine Waffe zu Hause aufbewahren oder im Zeughaus abgeben soll – das bestimmt er selber.

Überraschend ist jedoch,dass sich mehr und mehr Soldaten entscheiden, am Ende ihrer Dienstpflicht die Waffe abzugeben. Letztes Jahr waren es bereits 88 Prozent. Die emotionale Bindung an die persönliche Waffe hat bei den Soldaten offenbar abgenommen. «Armeewaffe zu Hause» – das scheint zum Mythos zu werden.

Gemäss einer Umfrage des «SonntagsBlicks» zur Waffeninitiative würden zurzeit 45 Prozent Ja stimmen, 34 Prozent nein – und 21 Prozent sind noch unentschieden. Der Abstimmungskampf hat erst gerade begonnen. Die Emotionalisierung auch.

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