machen oder das Zuwachspotenzial begrenzen – und mit hausgemachten Problemen.

Vor allem die FDP blickt dem Wahltag mit Bangen entgegen. Ein Freisinniger sagt hinter vorgehaltener Hand, es stehe womöglich ein «Albtraum» bevor. Die FDP hat ein dreifaches Problem: Inhaltlich ist sie weniger klar positioniert als ihre Hauptkonkurrentin SVP und ihre neue Wettbewerberin Grünliberale; personell verfügt sie mit ihren Bundesräten Johann Schneider-Ammann und Didier Burkhalter nicht gerade über zwei Wahllokomotiven; strategisch ist sie schlecht aufgestellt, da sie in den meisten Kantonen keine Listenverbindungen eingegangen ist. In der Kombination dürfte das zu einem Einbruch führen – ausgerechnet die FDP-nahe «NZZ am Sonntag» rechnete vor, dass der Freisinn im Nationalrat acht Sitze verlieren könnte.

Bei der SVP ist die grosse Frage, ob sie die 30-Prozent-Marke knacken wird. Das wäre ein historischer Erfolg. Doch das andere grosse Ziel der Partei, der «Sturm aufs Stöckli», wird kaum erreicht, die SVP muss schon froh sein, ihre sieben Sitze zu halten. Christoph Blocher selber rechnet in Zürich nicht mit einer Wahl in den Ständerat, auch die anderen SVP-Schwergewichte Toni Brunner (SG), Caspar Baader (BL) und Ulrich Giezendanner (AG) drohen zu scheitern.

Anders als 2003 und 2007, wo die SVP-Kampagne eine gewaltige Wucht entfaltete, konnte die Partei im diesjährigen Wahlkampf nicht mehr voll punkten – obwohl sie enorme Geldsummen investierte.

Die Sozialdemokraten sind mit wenig zufrieden. SP-Präsident Christian Levrat sagte, das neue SRG-Wahlbarometer sei «ermutigend» – dabei legen die Sozialdemokraten demnach nur um 0,4 Prozent auf 19,9 Prozent zu. Das reicht Levrat offenbar bereits. Dabei wäre ein solcher Wert ein Misserfolg, denn das Umfeld könnte für die SP kaum günstiger sein. Der Volkszorn auf die Grossbanken, die Lohndumping-Skandale und die Angst vor Stellenabbau wegen der Frankenstärke müssten Wasser auf die Mühlen der SP sein. Doch das Rad beginnt nicht zu drehen. Europaweit ist die Linke im Aufschwung – und die SP frohlockt bereits über homöopathische Zugewinne.

Die CVP leidet wie die FDP unter den neuen Mitteparteien BDP und Grünliberale, aber sie verhält sich strategisch geschickter: Politfuchs Christophe Darbellay setzt auf Listenverbindungen, geht je nach Kanton mal mit der einen, mal mit der anderen Mittepartei ins Bett. So wird sich der absehbare Verlust beim Wähleranteil nicht eins zu eins in Sitzeinbussen auswirken. Zudem gelang der CVP mit dem Atom-Ausstieg ihrer Bundesrätin Doris Leuthard ein Coup.

Dennoch wird auch die CVP kaum jubilieren können: Von ihrem Wahlziel 17 Prozent ist sie gemäss Wahlbarometer fast 3 Prozentpunkte entfernt.

Fazit kurz vor dem Ende des Wahlkampfs, in dem die Bürgerlichen Geld ausgegeben haben wie noch nie: Die grossen Sieger werden kaum bei den grossen Parteien zu finden sein. Und wir werden am nächsten Sonntag am TV einigen «Emils» begegnen.

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