Der Kommentar: Emil ist Kult und der Liebling der Nation. Nichts konnte seinem Image etwas anhaben, auch nicht, dass er im Jahr 1999 der Öffentlichkeit seine 32 Jahre jüngere Liebe Niccel präsentierte. Zwar gab es ein Rauschen im Schweizer Blätterwald, doch Emil gilt ungebrochen als ehrlicher, integrer, verlässlicher Musterschweizer.

Und jetzt das! Der 80-Jährige bekennt, dass er fremdgegangen und Vater eines ausserehelichen Sohnes ist. Emil, der Saubermann, als untreuer Ehemann, als Verheimlicher? In der Tat. Unser aller Emil ist ein liebenswerter Mensch, der niemandem Böses will. Das mag sein. Doch Emil Steinberger ist auch nur ein Mensch. Genauer: ein Mann.

Als Künstler hat er alles erreicht, was man erreichen kann. Als Mensch hat er kommunikativ und moralisch versagt. Er hat die Beziehung mit seiner ersten Frau zerstört, ihre Gefühle verletzt. Das Publikum reibt sich die Augen. In diesem echten Bühnenstück sind viele Figuren beteiligt, jede mit ihrem ganz eigenen Blick auf das Geschehene. Für einmal ist Emil nicht der Alleinunterhalter.

Es habe viele Jahre gebraucht, schreibt Emil in seinem Buch, bis sich für alle Beteiligten die Situation normalisierte, «und nicht mehr so belastend war und vor allem, bis ich dazu in der Lage war, dazu zu stehen, dass auch Martin mein Sohn ist.» Der Leser mag im ersten Moment irritiert sein. Doch mit seiner späten Ehrlichkeit kehrt Emil zurück: vom Theater ins richtige Leben. Und das wird ihn für seine Fans noch mehr zu dem machen, was er schon ist: die perfekte Projektionsfläche für das Leben an sich – mit viel Komik und jetzt auch ein bisschen Tragik.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!