Der Kommentar: Lange bevor Kinder sprechen können, spielen sie. Um miteinander zu spielen, muss man nicht dieselbe Sprache beherrschen. Spielen verbindet Kulturen, ja sogar verschiedene Spezies: Wir können mit unserem Hund spielen, aber nicht diskutieren. Trotzdem – oder vielleicht eher: deshalb – kommt dem Spiel immer weniger Bedeutung zu. Insbesondere Eltern mit einem hohen Bildungsniveau sind darauf bedacht, dass ihre Kinder nicht einfach Zeit mit Spielen «verplempern», sondern in Frühförderprogrammen zu Hause und auswärts das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Dabei wusste schon Friedrich Schiller: «Der Mensch (...) ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

Spielen regt die Fantasie an und fördert Kreativität. Um in der digitalisierten Welt zu bestehen, ist es wichtig, Informationen nicht nur zu verstehen und nach einem auswendig gelernten Schema anzuwenden. Zentral ist es, Informationen kreativ zu verknüpfen, neue Bezüge zu schaffen und Zusammenhänge herzustellen, an die noch niemand gedacht hat. Genau das «lernt» man spielend. Kinder, die zulasten des Spielens früher beginnen mit Lesen, Schreiben und Rechnen, werden vielleicht gegenüber ihren Klassenkameraden in den ersten Primarschuljahren im Vorteil sein. Die Chance ist aber gross, dass ihnen am Schluss die verspielten Köpfe den Rang ablaufen.

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