Die Nachricht: Bei Pfadfindern treten psychische Erkrankungen um 18 Prozent seltener auf als bei anderen Menschen. Kein Sportverein oder Malkurs hat eine derart positive Wirkung. Dies konnte eine Studie mit 10 000 Erwachsenen aus Schottland zeigen.

Der Kommentar: Es gibt ein Problem. Die Pfadfinder lösen es: Sie finden im Gewitter Unterschlupf in einer Scheune, sie essen statt dem angebrannten Risotto die zugeschickten Fresspäckchen der Eltern, sie bitten den nächsten Autofahrer um Mitfahrgelegenheit, wenn die Blasen zu arg schmerzen. Kinder, die ein Hobby haben, dessen Herausforderungen immer wieder neu sind, lernen, dass die Anforderungen, die das Leben an sie stellt, in der Regel lösbar sind. Und zwar ohne Eltern. Das Selbstbewusstsein und das Vertrauen, Schwierigkeiten gemeinsam meistern zu können, ist auch für Experten die Erklärung, warum Pfadfinder später im Leben psychisch deutlich gesünder sind und weniger unter Burnout und Depressionen leiden.

Eltern sollte der Befund der Studie zu denken geben: Kinder in Gruppen sich selbst zu überlassen, tut ihnen offenbar gut. Und es macht auch einen Unterschied, ob sie als Hobby die perfekte Kick- oder Wurftechnik lernen oder ob sie immer wieder auf neue Herausforderungen treffen. Sinnvoll sind all diese Verfolgungsjagden, Postenläufe und Abende mit Klamauk am Lagerfeuer fürs spätere Leben nicht. Gerade diese Unernsthaftigkeit ist befreiend. Das Spiel – in welcher Art auch immer – tut Kindern gut, weil sie die Regeln und das Ziel selber erfinden können. «Selber!» ist oft eines der ersten Wörter, die kleine Kinder lernen. Und das gilt auch für später: Lasst sie allein machen. Mit dem Waschen schmutziger Kleider, mit Pflästerliaufkleben und dem Heimbringen des erschöpften Nachwuchses haben Eltern noch genug zu tun.

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