Der Kommentar: Ist es wirklich möglich, gegen die mächtigen UBS und Credit Suisse strengere Aufsichtsregeln zu erlassen? Mit einem Paukenschlag präsentieren uns morgen die Vertreter der Behörden den «Too big to fail»-Bericht als gestrenges Regelwerk, mit dem es gelingen sollte, die beiden Grossbanken zu bändigen. Doch den Konsens, den sie den Bankvertretern in der Expertenkommission in harten Verhandlungen abgerungen haben, markiert wiederum erst den Anfangspunkt der nun beginnenden politischen Gezerres und Gezeters.

Tatsächlich hat die Politik die einmalige Chance, mehrere Probleme im Zusammenhang mit unserem Finanzplatz auf einmal anzugehen: Mehr Sicherheit für uns Sparer und für die Wirtschaft, angesichts der riesigen Kredit- und Kapitalmarktrisiken, mit welchen die beiden globalen Finanzhäuser UBS und Credit Suisse jonglieren.

Und die immensen Boni sinken lassen, indem sie den Wahn nach immer höheren Renditen brechen. Doch man muss sich grosse Sorgen machen, dass die Vorschläge der 14 Schweizer Experten aus der Bundeskommission beim Umgiessen in Gesetzesform von den banknahen Parlamentariern zerpflückt, aufgeweicht und noch mehr abgeschwächt werden. So wie sie der Aktienrechtsreform die Zähne zogen.

Die Chefs der Finanzmarktaufsichtsbehörden appellierten wiederholt an den politischen Willen, strengere Bankengesetze jetzt zu beschliessen. «Wir müssen den Schwung ausnützen», forderte auch Bundesrat HansRudolf Merz vor einer Woche im Interview mit dem «Sonntag», nachdem der Basler Bankenausschuss die internationalen Basel-III-Regeln herausgegeben hatte. Denn der Wille erlahme wieder.

Doch die Gesamterneuerungswahlen von Parlament und Bundesrat im Herbst 2011 könnten den Reformwillen der Politiker beleben. Die Stimmung im Volk ist immer noch bankenskeptisch und könnte den Politikern den Rücken gegenüber dem geballten Lobbying der Banken stärken. Mit dem couragierten Einsatz für strengere Bankengesetze könnte sich zudem auch Merz-Nachfolgerin Eveline Widmer Schlumpf als souveräne Finanzministerin profilieren.