Der Kommentar: Unser Mitarbeiter zog aus, Preise zu vergleichen, und staunte nicht schlecht: Die stylishe Corbusier-Liege ist mitten in Zürich zehn Prozent günstiger als in Waldshut. Der schnittige Audi A 3 kostet diesseits der Grenze ein Prozent weniger. Der Test ist natürlich nicht repräsentativ, aber zumindest eines widerlegt er eindeutig: Die vermeintliche Wahrheit, «drüben» sei alles günstiger, ist zum Klischee geworden, das nicht mehr stimmt.

Es ist eben doch etwas gegangen seit dem Sommer 2011, als der Euro gegenüber dem Franken so brutal abstürzte und von der Nationalbank bei 1.20 festgezurrt wurde. Oft waren es, auf leisen Sohlen, kleine und mittelgrosse Unternehmen – Reisebüros, Möbelhändler, Druckereien – die vorangingen und als erste Preise senkten. Dann kamen die Grossverteiler. Die Autoverkäufer gaben erst Euro-Rabatte, bevor sie die Listenpreise dauerhaft senkten.

Die Medien haben die hohen Preise immer wieder angeprangert und die Firmen kritisiert – nun darf man ihnen auch mal ein Kränzchen winden. Viele, aber noch längst nicht alle, haben verstanden, dass patriotische Appelle nichts fruchten – sondern dass es nur über Preissenkungen geht.

Noch haben es viele Konsumenten nicht gemerkt. Dieses Jahr lassen Schweizer Einkaufstouristen ennet des Rheins über 5 Milliarden Franken liegen, so viel wie noch nie. Das Klischee geht eben nicht so schnell aus unseren Köpfen. Denn es gibt nach wie vor zu viele Produkte – oft Kleider, Schuhe, Lebensmittel – die hierzulande überteuert geblieben sind. Diese Firmen schaden dem Image des Einkaufslandes Schweiz. Für Konsumenten aber gilt: Bitte erst rechnen, bevor man über die Grenze fährt.

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