Der Kommentar: Der skandalöse Reformstau im Schweizer Gesundheitswesen geht weiter. Vom Sparpaket, das der Bundesrat nach der letzten extremen Erhöhung der Krankenkassenprämien aufgleiste, liess das Parlament schon im Herbst kaum etwas übrig. Und die Debatte über den traurigen Rest ist auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben worden.

Von tiefgreifenden Reformen ganz zu schweigen: Noch immer gibt es zu viele Spitäler und zu viele Spitalbetten, noch immer haben alle Beteiligten – von den Patienten über Ärzte, Apotheken und Spitäler – Anreize, das System mit höheren Kosten zu belasten, als sie für die Gesundheit der Patienten wirklich nötig wären.

Die Rechnung bezahlen wir Prämienzahler: Schon wieder drohen uns im nächsten Jahr Aufschläge von bis zu 10 Prozent. Geht das so weiter, bezahlt eine durchschnittliche Familie schon in 13 Jahren über 23 000 Franken Prämie. Damit wird das System der sozialen Krankenversicherung direkt an die Wand gefahren.

Zu den Leidtragenden zählen aber auch die Krankenkassen. Das zeigte diese Woche der Fall Helsana geradezu exemplarisch. Die einst grösste Grundversicherung der Schweiz hat zum Jahreswechsel dermassen viele Mitglieder verloren, dass sie jetzt die Notbremse ziehen und 500 Mitarbeiter entlassen muss. Anderen Kassen droht in den Folgejahren das gleiche Schicksal, wenn ihre Prämien zu teuer geworden sind und sie von wechselwilligen Versicherten zu Tausenden verlassen werden.

Angesichts des zunehmenden Chaos erstaunt es nicht, dass der Ruf nach einer Einheitskasse immer lauter wird. Heilsbringer von links und neuerdings auch von rechts erhoffen sich davon tiefere Verwaltungskosten. Am Grundproblem – den weiter steigenden Gesundheitskosten –
ändert diese zwar nichts. Gelingt es der Politik aber nicht, die Kosten zu drosseln, wird eine Einheitskasse beim zusehends verdrossenen Stimmvolk gute Chancen haben.