Der Kommentar: Wie immer, wenn die Bevölkerung an die Wahlurnen gerufen wird, also gerade jetzt wieder, feiert eine Phrase Hochkonjunktur: Ein Einzelner kann sowieso nichts bewegen. Es ist die Entschuldigung jener, die nicht wählen gehen wollen.

Dass dieser Satz nichts weiter als das Desinteresse der Wohlstandsverwahrlosten ausdrückt, hat diese Woche ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs spektakulär bestätigt. Dass die USA mit ihrem NSA-Geheimdienstprogramm «Prism» auf unsere Nutzerdaten bei Facebook und anderen US-Internetfirmen zugreifen können, weiss die Welt seit den Enthüllungen von Edward Snowden. Aber keine europäische Regierung hatte den Mut, sich in dieser Frage gegen die US-Geheimdienste zu stellen.

Diesen Mut, der jahrelange Beharrlichkeit brauchte, hatte der 27-jährige österreichische Jurist Max Schrems. Im Jahr 2011 verlangte er von Facebook die Herausgabe aller über ihn gespeicherten Daten und erhielt über 1200 ausgedruckte A4-Seiten mit seinen Daten – darunter auch Informationen, die er längst gelöscht hatte. Schrems Beschwerde bei den Datenschutzbehörden in Irland, wo Facebook den europäischen Hauptsitz hat, reichten die irischen Beamten eher lustlos an den EU-Gerichtshof weiter. Und siehe da: Als erstes Gericht überhaupt stellte der EuGH fest, dass die US-Geheimdienstschnüffelei unverhältnismässig und damit unrecht ist.

Einer allein kann den Unterschied machen. Max Schrems hat ihn gemacht. Und – gehen Sie wählen?

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