Der Kommentar: Die Schweizer Unternehmen müssen sich strecken. Der harte Franken, die schleppende Wirtschaftsentwicklung machen es den Firmen nicht einfach. Dennoch sah Bundesrat Johann SchneiderAmmann vor einem Jahr den richtigen Zeitpunkt gekommen, eine neue bürokratische Hürde für Schweizer Unternehmen zu errichten. Per Januar 2016 führte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine neue Regelung ein, wie die Arbeitszeit in den Unternehmen zu erfassen sei.

Klar, seit Jahrzehnten steht im Arbeitsgesetz, dass der Arbeitgeber die Arbeitszeiten seiner Mitarbeiter zu erfassen habe. «Weil Gesetz eben Gesetz ist, das alle zu respektieren haben» wollte Schneider-Ammann es der modernen Arbeitsrealität anpassen. Er garnierte die Regelung mit guteidgenössischen Ausnahmebestimmungen, sodass es für Personalchefs, die nicht gerade auf den Kopf gefallen sind, ein Einfaches ist, die halbe Belegschaft von der Zeiterfassung auszunehmen. Man hätte die kostspielige Übung also gleich lassen können.

Zudem ist Arbeitszeiterfassung weitgehend ein Anachronismus. Einverstanden, es gibt viele, vor allem schlecht und mittelmässig bezahlte Jobs mit klar geregelten Dienstzeiten. Für diese Angestellten bedeutet die Erfassung der Arbeitszeit einen gewissen Schutz vor allzu gierigen Chefs. Aber bei den meisten neuen Jobprofilen, die heute entstehen, ist es eben anders. Der Übergang zwischen Arbeit und Freizeit ist fliessend; wer kann schon sagen, ob er noch pendelt oder schon arbeitet? Das ist eine Realität, vor der sich die Gewerkschaften verschliessen, aber auch das Seco.

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