Der Kommentar: Niemand weiss genau, wie viele Muslime in Amerika leben. Die Schätzungen reichen von 2 bis u 12 Millionen Erwachsenen – wobei die Hälfte dieser Menschen aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Pakistan stammen. In den Augen einiger Amerikaner, unter ihnen engstirnige und rassistische Zeitgenossen, verkörpern diese Immigranten eine Art fünfte Kolonne im Herzen der USA: Menschen, die angeblich nur darauf warteten, im Namen ihres fehlgeleiteten Glaubens ein Massaker anzurichten.

Solche Bedenken machten zuletzt nach den Attentaten in Paris die Runde. Die heftige Diskussion um die Aufnahme syrischer Flüchtlinge war geprägt von Vorbehalten gegenüber Muslimen. Das Gemetzel in der Stadt San Bernardino, in der sich selten Dinge ereignen, die im Rest des Landes zur Kenntnis genommen werden, bestätigen nun fast alle dieser Vorurteile. Die Biografie des mörderischen Ehepaars entspricht einem Profil, das selbst unter aufgeklärten Amerikanern Angst verbreiten kann. Syed Farook und Tashfeen Malik lebten unauffällig. Er hatte einen gut bezahlten Job. Sie galt als sehr fromm und lebte zurückgezogen – aber dies lässt sich von Tausenden sagen. Niemand schien bemerkt zu haben, dass es eine Fassade war.

Letztlich spielt es keine Rolle, ob Farook und Malik auf Befehl des Islamischen Staates zur Waffe griffen oder ob sie sich durch die Terror-Organisation inspirieren liessen. Wichtig ist, wie Amerika mit dieser neuen Bedrohung umgeht. Offensichtlich befinden sich unter den 322 Millionen Bewohnern der USA auch Dutzende von Sympathisanten der Terror-Gruppe. Dies weckt Phobien vor Fremden im Allgemeinen und ausländischen Muslimen im Speziellen. Diesen Ängsten darf Amerika nicht nachgeben.

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