Der Kommentar: Ein Nein zur Kroatien-Erweiterung wäre eine Katastrophe für die Schweiz. Damit wäre nicht nur die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union gefährdet, sondern der gesamte bilaterale Weg. Als Alternativen blieben der Schweiz nur noch die totale Isolation oder der EU-Beitritt.

Um den Gang in die Sackgasse abzuwenden, haben Economiesuisse und Arbeitgeberverband frühzeitig eine Kampagne gestartet. Sie soll weitverbreiteten Ängsten gegen die Zuwanderung die Spitze nehmen. Die Kampagne in Ehren: Es wird wohl kaum ausreichen, mit wohlformulierten Broschüren das drohende Nein zu Kroatien abzuwenden. Schon gar nicht, wenn sie, wie bislang geschehen, vor allem an die Insider in den Branchenverbänden verteilt werden.

Politiker und Wirtschaftsführer müssen sich eingestehen, dass weite Teile der Bevölkerung genug haben von den negativen Folgen der Personenfreizügigkeit. Nicht nur Nationalkonservative, sondern zunehmend auch Linke. Um sie abzuholen, braucht es bessere flankierende Massnahmen gegen Lohndumping. Stattdessen versuchen die Beamten in Bundesbern bereits, die Solidarhaftung abzuschwächen, welche das Parlament zwecks Bekämpfung des Lohndumpings auf dem Bau beschlossen hat.

Viele Probleme, die der Zuwanderung zugeschrieben werden, sind zudem hausgemacht. Die Zersiedelung etwa hat mehr mit der mangelhaften Raumplanung zu tun, die überfüllten Strassen und Eisenbahnen mit der vernachlässigten Infrastruktur. Um die Offenheit gegenüber der Zuwanderung nicht zu gefährden, muss die Politik auch hier vorwärtsmachen.

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