Der Kommentar: Mit dem öffentlichen Verkehr ins Ausland zu reisen, ist zu unschlagbaren Preisen auch auf der Strasse möglich geworden. Deutsche Busbetreiber schaukeln die Schweizer Kundschaft zu Spottpreisen in europäische Grossstädte.

Die Strategie der angegriffenen SBB ist originell. Ihre Italien-Züge machen die Bundesbahnen pünktlich, indem sie die Fahrzeiten verlängern. Nach München betreiben sie selbst einen Bus und sind damit im Markt aktiv, den sie bekämpfen wollten.

Die deutschen Fernbus-Betreiber können ihre Dumpingpreise auf Dauer nicht aufrechterhalten. Selbst nach einer Marktbereinigung werden sie aber günstiger sein als die Bahn. Die Busbetreiber können auf Veränderungen der Nachfrage und der Zahlungsbereitschaft blitzschnell reagieren.

Dennoch ist die Bahn im Vorteil. Beispiel Spanien: Als die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Barcelona 2008 eingeweiht wurde, stieg der Marktanteil der Bahn auf dieser Route innerhalb eines Jahres von 12 auf 50 Prozent.

Die SBB kennen das Erfolgsrezept. Zwischen der Schweiz und Paris ist der schnelle, pünktliche und häufig verkehrende TGV konkurrenzlos. Selbst Billig-Airlines mit ihren zusammengepferchten Sitzen können da nicht mithalten. Wer allerdings mit der Bahn von Zürich nach München fährt, ist länger unterwegs als mit dem Car und bezahlt auch noch mehr. Wenn Fernbusse den SBB das Wasser abgraben, dann liegt das nicht daran, dass Schweizer begeistert sind von Stau-Stehen und Zweierreihen in schwankenden Bussen. Das Problem liegt dann viel eher am Angebot der Bundesbahnen.

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