Der Kommentar: Die Menschen im Kriegsgebiet können durchatmen und hoffen, dass dringend benötigte humanitäre Hilfe bis zu ihnen gelangt. Jede Atempause weckt neue Hoffnungen auf ein tatsächliches Ende der seit über fünf Jahren dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen. Mit Russland und der Türkei als Garantiemächte des Waffenstillstandes und dem Iran, der den Plan unterstützt, haben die drei einflussreichsten Akteure auf der syrischen Kriegsbühne die Initiative an sich gerissen und stehen unter Erfolgsdruck. Russlands Präsident Vladimir Putin selbst hat die Hoffnungen aber bereits gedämpft, als er von einem «fragilen» Waffenstillstand sprach. Dass er sich das türkisch-russische Abkommen, das im Januar eine Friedenskonferenz im kasachischen Astana vorsieht, von der UNO absegnen lässt, ist ein positiver Schritt. Moskau hat zudem arabische Nachbarländer wie Ägypten, Saudi-Arabien und den Irak eingeladen, sich an den Friedensgesprächen zu beteiligen.

Aber auch dieses neuste Waffenstillstandsabkommen hat viele Ähnlichkeiten mit seinen gescheiterten Vorgängern. Auf türkischen Druck hin wird die kurdische YPG ausgeschlossen, und die Position gegenüber islamistischen Gruppierungen bleibt unklar. Die Gefahr, dass die Kämpfe wieder aufflammen, bevor sich die Parteien im Januar in Astana an den Tisch setzen, ist gross. Unverändert bleiben auch die Verhandlungspositionen. Die syrische Opposition besteht auf einem politischen Transformationsprozess, bei dem Präsident Bashar al-Assad keine Rolle mehr spielen darf. Aus Moskau und Teheran gibt es keine Signale, dass Assad fallen gelassen werden könnte. Vieles deutet darauf hin, dass auch dieser Waffenstillstand wie seine Vorgänger nicht mehr als eine Atempause sein wird.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.