Der Kommentar: Zu wenig glaubwürdig. Zu wenig Respekt. Zu wenig Fairness. Das Feedback der Kabinen- und Cockpit-Crew zwingt das Swiss-Management, seine Führungskultur zu überdenken. Gegen aussen erstaunt die Unzufriedenheit. Denn was die Zahlen anbelangt, leistet Swiss-Chef Harry Hohmeister erstklassige Arbeit. Seitdem der knallharte Kosten-Kalkulierer 2009 den Steuerknüppel übernommen hat, landet die Swiss konstant in der Gewinnzone.

Doch der Draht zu seinen Angestellten ist Hohmeister zuletzt entglitten, das Vertrauen ging verloren. Für neue Gesamtarbeitsverträge bei den Piloten, der Kabinen-Crew und dem Bodenpersonal verhandelte er an der Basis vorbei. Neue Flight Attendants will Hohmeister zu jenen Konditionen anstellen, die das Kabinenpersonal überdeutlich abgelehnt hat. Und er verärgert die Airbus-Piloten, indem er die versprochenen neuen Langstreckenflieger den günstigeren Jumbolino-Piloten anbietet.

Natürlich: Die Swiss muss Gewinne für die Flottenerneuerung ansammeln. Natürlich droht grosse Konkurrenz aus dem Nahen Osten. Und natürlich ist der Druck bei dem Mutterkonzern in Frankfurt gross, noch mehr zu sparen. «Die Zitrone ist noch nicht ausgepresst», sagte Christoph Franz kurz vor seinem Abgang als Lufthansa-Chef.

Doch Hohmeister muss das Personal an der Front als wichtigste Komponente seines Erfolgs ernster nehmen. Der interne Frust ist gefährlich und kratzt früher oder später am Image.

Lächeln die Flight Attendants an Bord nicht mehr, hat auch der Swiss-Chef nichts mehr zu lachen.

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