Müssen sich Eltern Sorgen machen? Vielleicht. Aber nicht wegen Kim oder Kanye, sondern wegen der Smartphones selbst. Die technischen Wunderdinge, die wie Bomben in das Leben junger Menschen platzen, beanspruchen Zeitbudgets, die oft weit über ein gesundes Mass hinausgehen. Nicht selten hängen Jugendliche sieben Stunden und mehr an ihren Handys – pro Tag. Psychiatrieabteilungen und Suchtpräventionsstellen werden überrannt von verstörten Eltern mit ihrem Nachwuchs, der den Online-Konsum nicht mehr im Griff hat. Smartphones belasten den Familienalltag wie kaum ein anderes Thema. Kein Tag vergeht, an dem deswegen an Schweizer Tischen nicht gestritten wird.

Smartphone-Apps besitzen ein erhebliches Suchtpotenzial. Dessen sind sich nicht nur Fachleute und Eltern bewusst, die die Finger ja auch nicht vom Touchscreen lassen können, sondern zunehmend die Kinder selbst. Sie wissen, dass sie ihre Jugend mit sozialen Medien vergeuden. Interessant ist, dass sie ihren eigenen Kindern gar kein Smartphone geben würden, wie Jugendliche im Gespräch sagen. Auch dann nicht, wenn sie in der Schule total ausgegrenzt würden, sagt Azad. Und die 15-jährige Ainhoa meint: «Ich hätte Angst, dass sich mein Kind keine Grenzen setzen könnte.» Paradoxerweise bringen es die Jugendlichen selbst nicht fertig, auch nur einen Tag lang offline zu sein. «Auch wenn wir gar nicht unbedingt online sein wollen, müssen wir einfach», sagt Azad.

Gegenwärtig rollt eine Welle von Beratungsliteratur zum Umgang mit Smartphones an. Dabei wären die Regeln so einfach: Handyfreie Zeiten einrichten und diese durchsetzen. Warum nicht mal das Handy einen ganzen Tag in den Flugmodus schalten? Warum eigentlich nicht heute? Könnte Spass machen.

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