Der Kommentar: Ich bin kein Freund von weitgehenden Liberalisierungen der Ladenöffnungszeiten. Sie verteuern das Angebot, weil die Mehreinnahmen nicht immer ausreichen, die Kosten auszugleichen. Wer das nicht glaubt, muss sich nur einmal fragen, warum viele Geschäfte in Zürichs Innenstadt die Öffnungszeiten bis 20 Uhr nicht ausnutzen.

Wer sich noch an die Abendverkäufe am Donnerstag erinnert, wird auch einig gehen mit der Analyse, dass ein Einkaufs-Happening viele Läute in die Stadt lockt. Das ist auch vor Weihnachten zu sehen, wenn die bewilligten Sonntagsverkäufe ein Riesenerfolg sind. Wenn jeden Sonntag die Städte ihre Läden geöffnet haben, dann wird man auch leere Geschäfte sehen.

Trotzdem, die Arbeitslosigkeit wird uns zwingen, mehr Arbeit zu erlauben. Wir müssen versuchen, mehr Touristen ins Land zu bringen, denn wir brauchen mehr Jobs in diesem Industriezweig und dem damit verbundenen Detailhandel.

Wenn die Konjunkturprogramme zuwenig Wirkung zeigen, was absehbar der Fall sein wird, dann wird der Ruf kommen, der Staat soll noch mehr Geld ausgeben. Doch irgendwann wird auch das nicht mehr gehen, denn die Steuereinnahmen werden massiv einbrachen.

Darum kommt trotz der eingeschränkten Begeisterung der Vorschlag Schmids zur richtigen Zeit. Die Tourismusindustrie hat das Potenzial der Schweizer Städte noch lange nicht ausgeschöpft. Musste sie auch nicht, denn bisher kamen die Geschäfts-Touristen ja sowieso.

Nun muss man ein neues Segment erschliessen. Wie soll man einem Chinesen oder Amerikaner erklären, er solle ein Wochenende in einer Schweizer Stadt verbringen, wenn ausser den Museen alles geschlossen ist?

Nur sollte man es nun rasch an die Hand nehmen und einmal eine Notmassnahme zum Nutzen der Konjunktur ergreifen und die Ladenöffnungszeiten befristet liberalisieren. Wenn man dann sieht, dass es nichts bringt, kann man immer noch die alten Regeln wieder einführen.