Der Kommentar: Josef Bütler (43) klingt leidenschaftlich, dynamisch, ein wenig wie ein Mittzwanziger. Doch er ist enttäuscht, traurig, desillusioniert.

«Ich hätte in Spreitenbach noch so viel bewirken wollen», sagte er gestern am Telefon. Was ist passiert? Bütler wagte es, sich öffentlich für Ausländer starkzumachen. Seine Aussage, es gebe «keinen Schweizer x und Ausländer y, sondern nur Spreitenbacher», hat selbst ernannte «Eidgenossen» auf den Plan gerufen. Nach dem TV-Interview wurden er und seine Familie mehrfach massiv bedroht. «Die Gewalt gegen meine Familie hat eine Grenze überschritten», schrieb er im Rücktrittsbrief, ohne Details zu nennen. Publik wurde, dass ein Mann den Inhalt eines chemischen WCs über Bütlers Akten, den Computer und seine Büromöbel ausschüttete.

Spreitenbach, das einstige Aargauer Bauerndorf, ist heute bekannt als Schmelztiegel von Multikulti und Shoppingcenter-Expansion. Es steht für viele andere Gemeinden in der Schweiz. Gerade solche «schwierigen» Orte sind angewiesen auf gescheite, bodenständige und mutige Politiker. Menschen, die sich engagieren in Ämtern, für die sich oft kaum qualifizierte Bewerber finden lassen. Unermüdliche Kämpfer, die sich in Kommissionen und in der Schulpflege für Dorf und Einwohner starkmachen. Nicht wegen des Geldes, sondern aus Überzeugung.

So wie Josef Bütler, der fertiggemacht worden ist. Der Rücktritt des dreifachen Familienvaters muss zu denken geben – nicht nur in Spreitenbach. Wenn das aufgeheizte politische Klima solche Folgen hat, ist es nicht verwunderlich, wenn sich für Ämter keine engagierten Bürger mehr finden lassen.

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