Scheitern ist nicht das Problem. Das Problem ist aber, wie Economiesuisse die Niederlage verarbeitet. Dabei kann einem Präsident Rudolf Wehrli leid tun. Zuerst gab er am Abstimmungstag ein Interview in der «SonntagsZeitung», in dem er sagte, dass er im Abstimmungskampf nichts falsch gemacht habe. Am Mittwoch folgte dann der Knockout: Offensichtlich unvorbereitet trafen ihn die Fragen des «Rundschau»-Moderators. Der hochgebildetete Mann, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, liess sich vom Moderator regelrecht vorführen. Statt drei klare Botschaften abzusondern, liess er sich in die Enge treiben.

Am Schluss des verpatzten Auftritts verkündete er trotzig, dass nun grosse Firmen Pläne in der Schublade hätten, wegen der Abzocker-Initiative aus der Schweiz wegzuziehen – womit er sich vollends der Lächerlichkeit preisgab. Wer den Auftritt gesehen hat, war konsterniert, Kenner der politischen Kampagnenkommunikation rieben sich die Augen. Am meisten jedoch dürfte der Auftritt Wehrli selbst getroffen haben. Mit der öffentlichen Blossstellung übernahm er die Verantwortung für die Niederlage am Abstimmungssonntag.

Doch Wehrli die Schuld am Abstimmungsdebakel in die Schuhe zu schieben, ist zu einfach. Er trat das Amt an, als der Minder-Express bereits abgefahren war. Sein Vorgänger Gerold Bührer verabschiedete sich rechtzeitig. Das Steuer konnte der politisch unerfahrene Wehrli nicht mehr herumreissen. Der gelernte Theologe war auch nicht direkt verantwortlich für die zahlreichen Pannen der Anti-Minder-Kampagne. Dass Studenten Minder-kritische Leserbriefe schreiben sollten, entsprang nicht seinem Kopf. Und schliesslich ist Wehrli auch nicht verantwortlich für die 72 Millionen Franken, die Daniel Vasella für sechs Jahre Nichtstun haben wollte.

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