Die Nachricht: Der Entscheid des Thurgauer Kantonsparlaments, den Französischunterricht definitiv wieder auf Sekundarstufe zu verschieben, hat in der Romandie hohe Wellen geworfen.

Der Kommentar: Das Westschweizer Radio berichtete am Freitag ausführlich über die Vorgänge in Mostindien. Und: «La Thurgovie joue la provocation», hiess es am Samstag in der «Tribune de Genève». Es sind aber auch andere, überraschendere Töne zu vernehmen. Wenn es im Schweizer Sprachenhaushalt ein wirkliches Problem gebe, schreibt «Le Temps» erfrischend selbstkritisch, dann liege es in den mangelnden Deutschkenntnissen der Romands.

Wie auch immer: Der Thurgauer Sprachen-Coup ist zwar keine weltbewegende Sache, aber ein Entscheid mit nationaler Bedeutung. Denn wenn der Thurgau definitiv aus dem «Modell 3/5» ausschert, das vorsieht, dass spätestens ab dem 3. Schuljahr eine erste und ab der 5. Klasse eine zweite «Fremdsprache» unterrichtet wird, so unterspült er einen Kompromiss, auf den sich die Kantone im Jahr 2004 nach jahrelangem Hin und Her geeinigt haben. Und ein solcher Dammbruch könnte andere nach sich ziehen.

Nun: Es gibt pädagogische Argumente gegen die Sprachlastigkeit der Primarschule. Es gibt aber auch pädagogische sowie politische Gründe dafür, das mit grossem Aufwand verbundene «Modell 3/5» nicht jetzt schon wieder über Bord zu werfen. Deshalb: Wie wärs mit einer Denkpause, Leute? Es wäre schlecht, wenn der Bund, wie dies offenbar im Departement Berset überlegt wird, jetzt gleich dreinfahren und den Unterricht einer zweiten Landessprache in den Primarschulen im eidgenössischen Sprachengesetz festschreiben wollte. Ganz abgesehen davon, dass die rechtliche Grundlage für einen solchen Eingriff zumindest diskutabel scheint, würde damit gerade jener Frontstellung zwischen Deutschschweiz und Romandie Vorschub geleistet, die man vermeiden will.

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