Diese zwei Sätze habe ich abgeschrieben – meinem Editorial vom 28. Oktober 2007. Wir hatten Mörgeli damals für ein Interview besucht, die SVP hatte eben triumphal die Wahlen gewonnen, und der «Vordenker» umschrieb nun den Plan der Partei, die Schweiz grundlegend von rechts zu verändern. «Jetzt kommt das SVP-Jahrzehnt», kündigte Mörgeli an.
45 Prozent Wähleranteil seien möglich.

Die funkelnden Augen von damals kamen mir in den Sinn, als ich Christoph Mörgeli diesen Mittwoch wiedersah, in der Wandelhalle des Parlaments. An jenem Tag also, wo die Zeitungen voll waren von Berichten über ihn, weil der Zürcher Professor an seinem Uni-Institut gemäss dem Jahresbericht miserable Arbeit leiste. Mörgeli stand einsam in der Wandelhalle, tippte auf seinem Handy und blickte so drein, dass man fast Mitleid mit ihm bekam.

Unser Bundeshausredaktor Christof Moser hat minutiös recherchiert, was an den Vorwürfen dran ist – und erfuhr, dass die Missstände an dem von Mörgeli verantworteten Institut als derart gravierend erachtet werden, dass ihn die Universität entlassen will. Fristlos. Da stellt sich die Frage: Wird hier einer kaltgestellt, weil er als SVPler seinen Institutskollegen und der Universitätsleitung nicht passt? Es ist absehbar, dass Mörgeli die Entlassung so erklären wird. Unsere Recherchen zeigen aber, dass ihn seine Exponiertheit als SVP-Nationalrat nicht benachteiligt, sondern geschützt hat – jeden anderen Professor hätte die Universität in einem solchen Fall wohl schon früher entlassen. Doch für ein definitives Urteil ist es noch zu früh. Beide Seiten werden noch viel zu sagen haben.

Mörgeli hat mit seiner intellektuellen Schärfe und seiner rhetorischen Brillanz den SVP-Kurs in den letzten zehn Jahren massgeblich mitgeprägt – zumal er mit Christoph Blocher eng befreundet ist. Mörgelis Autorität ist nun innert weniger Tage zertrümmert worden. Das ist die gravierendste Folge dieser Universitätsaffäre. Seinen politischen Gegnern und auch vielen in seiner eigenen Partei machte er bis vor kurzem beinahe Angst, wenn er mit funkelnden Augen seine «Schweiz von morgen» skizzierte. Jetzt wirkt er wie eine tragische Figur. In der Wandelhalle liessen SVP-Politiker hämische Sprüche fallen. Das politische Geschäft ist hart.

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