Der Kommentar: Vor ein paar Wochen hielt er sich noch im persönlichen Tennis-Notstandsgebiet auf – Roger Federer, der grosse Maestro des Tennis, verlor nicht nur viele, zu viele Spiele, sondern auch den Respekt und seine altvertraute Siegeraura. Doch wieder einmal hat es sich nicht gelohnt für all die Untergangspropheten, den erfolgreichsten Professional dieser Epoche, vielleicht sogar aller Zeiten abzuschreiben. Federer kämpfte mit der Attitüde eines Schwerstarbeiters, weit weg von kunstvoller Ästhetik, um den Anschluss an die Spitze.

Und gestern war es dann ihm, dem Comeback-Mann, zu verdanken, dass ein historischer Moment für das Schweizer Tennis und den Schweizer Sport festzuhalten war: Mit Stanislas Wawrinka, dem
Aufsteiger der Saison, und dem alten Meister aller Klassen, jenem wiedererstarkten Federer, stehen zwei Spitzenleute in den Halbfinals der Weltmeisterschaft in London – und das in einer global betriebenen, global relevanten Sportart, nicht etwa in einem Nischenrevier.

Auf Augenhöhe rückten sie übrigens keineswegs zufällig gemeinsam ins Londoner Rampenlicht, denn in einer äusserst turbulenten Saison waren sich Federer und Wawrinka auch in der Weltrangliste immer näher und näher gekommen. Nur ein Platz trennt sie in der Hitliste noch. Federer ist Siebter, Wawrinka Achter.

Der Augenblick für die Geschichtsbücher lädt erst mal zum ungetrübten Genuss ein. Und zum Spekulieren: Schaffen Federer (gegen Rafael Nadal) und Wawrinka (gegen Novak Djokovic) etwa noch ein Schweizer Finalduell um die WM-Krone? Das wäre dann der Gipfel. Buchstäblich.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper