Der «Sonntag» hatte vor einer Woche publik gemacht, dass zehn Minderjährige – alle mit Migrationshintergrund – festgenommen wurden, weil sie serienmässig delinquiert haben sollen. Der Bandenchef ist gerade mal 14-jährig.

Den Behörden passt es nicht, dass diese relevante Nachricht an die Öffentlichkeit gelangte. Wer Fragen zur Kinderbande hat, wird bei der Jugendanwaltschaft nicht einmal mit der zuständigen Beamtin verbunden. Es gilt eine Informationssperre.

Dabei gäbe es einige Fragen, nicht nur zu den Winterthurer Teenagern. In vielen Fällen werden Jugendliche nach ihrem ersten Delikt nicht persönlich vorgeladen. Sie erhalten von den Strafbehörden einzig einen schriftlichen Verweis nach Hause geschickt – per Post wie eine Ferienkarte. Ob das junge Gesetzesbrecher abschreckt?

Weiter zeigen Recherchen, dass junge Täter bei schlimmen Delikten zwar formell scharf sanktioniert werden – jedoch die Massnahmen unterlaufen, indem sie sich derart schlecht aufführen, dass sie vorzeitig freikommen. So hat im Massnahmenzentrum Uitikon ZH im letzten Jahr jeder zweite «Klient», wie es offiziell heisst, den Vollzug vorzeitig abgebrochen oder wurde umplatziert. Strafrechtler, aber auch Praktiker aus den Massnahmenzentren selber fordern nun eine Korrektur (Seite 5).

Informations-Verweigerung ist das falsche Rezept, um das Problem Jugendgewalt zu lösen. Erfrischend ist die Offenheit, mit welcher die Konfliktmanagerin Safika Garibovic über schwer erziehbare und kriminelle Jugendliche spricht.

Die aus dem Balkan stammende Zürcherin spricht unverblümt über die Ausländerkriminalität – und kritisiert, dass junge Täter von Therapie zu Therapie geschoben werden. Es gehe nur «mit Hierarchie», sagt Garibovic, nicht mit x-fachen psychologischen Abklärungen. Mit welchen Methoden sie arbeitet, lesen Sie im grossen Interview auf den Seiten 11/12.