Der Kommentar: Noch steht Federer in diesem Jahr ohne grossen Titel da. Seinen einzigen Triumph feierte er im Januar, beim Saisonstart in Doha, einem Turnier der tiefsten Kategorie. Seither zeigte Federer nur beim French Open eine herausragende Leistung, als er im Halbfinal Novak Djokovic schlug und im Final Rafael Nadal einen grossen Kampf lieferte. Ansonsten verbreitet Federer in dieser Saison selten grossen Glanz. Aus dem Mann mit den magischen Händen und den Zauberschlägen, der einst seine Gegner in Grund und Boden spielte, ist ein ganz normaler Tennisprofi geworden.

Ein Profi, der nach wie vor zu den Besten der Welt gehört, der sich im Moment aber keinesfalls von den Kollegen der Top Ten abhebt, für den Niederlagen nun zum Geschäft gehören. Von der Klasse eines Djokovic ist er weit entfernt, dass auch Nadal mit Problemen kämpft, ist nicht einmal ein schwacher Trost.

Federer hat andere Ansprüche an sich, als ein solider Top-Ten-Mann zu sein. Noch immer spricht er von der Nummer eins. Die aber bleibt wohl im Herbst seiner Karriere nur noch ein Traum. Federer ist 30 Jahre alt, weiter gut genug, um jeden Spieler der Welt zu schlagen. Doch dazu muss er seine ganze Klasse abrufen und das gelingt ihm in letzter Zeit immer weniger. Manchmal, so scheint es, fehlt ihm ein wenig der Biss, der ihn zu seinen besten Jahren auszeichnete. Das ist verständlich, zwölf Jahre auf der Profitour hinterlassen ihre Spuren. Dazu kommt die Familie mit zwei kleinen Kindern.

Beim US Open, das in einer Woche beginnt, kann Federer zeigen, dass er noch das Potenzial für grosse Siege in sich hat. Doch das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison wird zu einer extrem schwierigen Prüfung. Mit so wenig Selbstvertrauen wie jetzt ist er schon lange nicht mehr in New York angetreten.

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