Der Kommentar: Kobane ist mehr als nur die Kurdenstadt in Nordsyrien, die sich erfolgreich gegen den Islamischen Staat gewehrt hat. Vor drei Jahren übernahm die PYD, die syrische Schwesterpartei der PKK, in den Städten Efrin und Kobane die Kontrolle. Später wurde in drei kurdisch besiedelten Kantonen entlang der türkisch-syrischen Grenze die autonome Region Rojava ausgerufen. Die PYD stellte in allen drei Kantonen eine basisdemokratische Übergangsverwaltung mit einer Frauenquote von 40 Prozent auf. Kurden, Araber, Assyrer, Turkmenen, Aramäer und andere Bevölkerungsgruppen sind darin vertreten.

Während in Syrien der Bürgerkrieg tobte, versuchten die Kurden im Norden des Landes, eine basisdemokratische Gesellschaft aufzubauen und gleichzeitig einen einigermassen normalen Alltag zu gewährleisten. Die Zahl der Bewohner von Kobane verdoppelte sich innerhalb eines Jahres. Vom IS verfolgte Minderheiten fanden in dem selbstverwalteten Kanton Schutz.

Jetzt, nach der Befreiung von Kobane, werden die kurdischen Verteidigungsmilizen YPG und YPJ versuchen, die drei Kantone zusammenzuführen, um das Gebiet Rojava zu sichern. Das wird nicht nur dem IS missfallen. Auch der Türkei ist das autonome kurdische Gebiet an ihrer Südostgrenze ein Dorn im Auge. Für die Kurden sind das keine einfachen Voraussetzungen, um ihr Gesellschaftsexperiment mitten im Nahen Osten auszubauen. Von einer Entspannung der Situation ist also keine Rede.

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