Der Kommentar: Die grösste Rollmaterialbeschaffung in der Geschichte der SBB ist ein Debakel. Nicht nur für Bombardier, sondern auch für die SBB. Sie versprachen ihren Passagieren, dass die neuen Züge ab Ende 2013 die Fahrzeit von Zürich nach St. Gallen und von Bern nach Lausanne auf unter eine Stunde verkürzen. Zudem könnten ältere Züge auf anderen Strecken ersetzt werden.

Beides verzögert sich nun um mindestens zwei Jahre. Für die Hälfte davon trägt Bombardier die Verantwortung. Doch mittlerweile sprechen Brancheninsider, gestützt auf beste Quellen, bereits von einer weiteren Verzögerung von bis zu zwei Jahren. Bombardier selbst schliesst das nicht ausdrücklich aus.

Damit wird klar: Die Vergabe des 1,9 Milliarden Franken teuren Auftrags an Bombardier entpuppt sich als kolossaler Fehlentscheid von SBB-Chef Andreas Meyer. Bombardier hatte die Konkurrenz mit einem Tiefpreisangebot unterboten, ist nun aber nicht in der Lage, pünktlich zu liefern. Sie hat auch das Versprechen gebrochen, 60 Prozent der Wertschöpfung würden in der Schweiz erbracht.

Das Bundesamt für Verkehr sieht keinen Grund, wegen der Verzögerung aktiv zu werden. Doch wenn die Bahn ihren Leistungsauftrag nicht erfüllen kann, wird das zwangsläufig die Politik beschäftigen müssen. Die SBB selbst sollten ihre Lieferanten künftig sorgfältiger auswählen. Die nächste Gelegenheit ergibt sich bald. Denn die Bahn hat sich bei Bombardier die Option für 112 weitere Züge gesichert. Die SBB werden es sich gut überlegen müssen, ob sie davon Gebrauch machen wollen.

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