Der Kommentar: Stundenlang stand ein Demonstrant vor dem Hallenstadion. Einsam in der Kälte. Nur ein Plakat reckte er in die Höhe: «Macht die Fifa wieder grossartig! Wählt Trump.» Der dänische Verbandschef schlenderte dem Fifa-Kongress entgegen, stoppte – und lachte sich schlapp. Nein, Donald Trump stand am Freitag nicht zur Wahl zum neuen Fifa-Präsidenten. Es siegte ein Walliser. Doch auch wenn Gianni Infantino lieber von Brücken als von Mauern spricht, so teilen die beiden die vielleicht entscheidende Erfolgsformel: Nicht Konzepte entscheiden Wahlen, Versprechen tun es – egal ob man sie halten kann oder nicht.

Mehr Geld, mehr WM-Teilnehmer, überhaupt mehr von allem, gelobte Infantino. Nur wird der neue Fifa-Präsident längst nicht so mächtig wie Vorgänger Blatter. Er ist nur ein bisschen Blatter. Dafür sorgen die Reformen. Doch selbst an sie knüpfte Infantino ein Versprechen, sollten sie umgesetzt werden: «Die ganze Welt wird euch applaudieren!», rief Infantino den Delegierten zu, die jubelnd einstimmten. Die ganze Welt? Wirklich? Viele Delegierte haben den Reformen nicht aus Überzeugung verabschiedet. Der einzige Grund für ihr Ja sitzt 6600 Kilometer entfernt in einem Büro in Washington und plant die nächsten Verhaftungen. US-Justizministerin Loretta Lynch arbeitet auf Hochtouren. Ihre Amtszeit endet mit jener von Obama. Ihr angestrebtes Vermächtnis: eine saubere Fifa.

Infantino, sympathisch und smart, hält die Schweizer Fahne hoch. Das ist schön. Er war die klar bessere Wahl als der umstrittene Scheich Salman. Um ihn zu schlagen, versprach der Walliser aber zu viel. Nun muss er fast Unmögliches leisten. «Macht die Fifa wieder grossartig!» Das hätte wohl nicht mal Trump versprochen.

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