Der Kommentar: Jeder kennt Urs Schwaller. Den gescheiterten Bundesratskandidaten, den Langzeit- Fraktionschef der CVP, den Freiburger mit dem unverkennbaren Akzent. Bekannt sind auch seine politischen Positionen, die sich ziemlich genau in der bürgerlichen Mitte befinden. Schwaller spricht sich in wirtschaftspolitischen Vorlagen für Liberalisierungsschritte aus, allerdings für keine grossen. Er ist weder Strukturerhalter noch Wettbewerbsfanatiker und keiner, der Risiken eingeht.

In ihrem Parteifreund sieht also Post-Ministerin Doris Leuthard den Mann, der die Post in ein neues Zeitalter führen soll. Die Post steht wie viele Infrastrukturdienstleister unter enormem Veränderungsdruck: Schrumpfendes Kerngeschäft, Digitalisierung und die globalisierte Konkurrenz setzen ihr zu. Welche Antworten kann Schwaller, der Bewahrer, darauf liefern? Er ist sicher nicht derjenige, der für den grossen Aufbruch steht.

Vielmehr wird sich Schwaller als treuer Diener von Bundesrätin Leuthard erweisen, die ihn in das lukrative Amt hievt. Sie, die ihn auch schon als «Partner» bezeichnet hat und mit ihm in wöchentlichen Sitzungen Projekte bespricht. Das Gespann Leuthard/Schwaller wird harmonieren, so viel ist anzunehmen. Post-Vorlagen dürften durchs Parlament gehen wie durch Butter . Aber ist die wahre Herausforderung der Post wirklich, sich in der Politik durchzusetzen? Müsste sie nicht vielmehr Antworten finden, die ihr Überleben auf den Märkten sichert? Hier fehlt Neo-Pöstler Schwaller die Erfahrung. Mit seiner Wahl wird eine Chance vertan.

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