Der Kommentar: Die Grundlage für gutes Bauen in der Schweiz stimmt. Die Ausbildung an den beiden ETH und den Fachhochschulen gehört international zum Besten, es gibt Top-Ingenieure, innovative Material-Lieferanten, gut ausgebildete Handwerker und ein ausgeklügeltes Wettbewerbswesen. Kein Wunder also, boomt nicht nur das Bauen, sondern heimsen Schweizer Architekturbüros auch regelmässig (internationale) Preise ein und setzten sich im internationalen Wettbewerb gut in Szene.

Das Augenmerk gilt dabei immer Einzelbauten. Je auffälliger und fotogener sie sind, desto grösser ist ihre Chance, beachtet, ausgezeichnet und in Fachzeitschriften publiziert zu werden. Vor lauter
Super-Bauten aber ist der Blick fürs Ganze – fürs Quartier, für die Stadt, für die Siedlungsplanung – vergessen gegangen. Zum Schaden von uns allen. Denn was nützen die besten Einzelbauten, was bringen Architektur-Ikonen, wenn wir uns in unserer Stadt, in unserem Dorf nicht mehr wohlfühlen?

Die Spirale der Erneuerung hat sich in den Städten in den letzten Jahrzehnten immer schneller und radikaler gedreht. Es wird schneller abgerissen, um höher, rentabler und aufsehenerregender bauen zu können. Zum Glück mehren sich die Stimmen, die eine stärkere und vor allem eine bessere Stadtplanung fordern, wie aktuell auch Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt und ETH-Professor für Städtebau. Um den «Jahrmarkt architektonischer Eitelkeiten» (Lampugnani) zu überwinden, braucht es Instrumente und Anreize, die den Ehrgeiz von Firmen, Investoren und Architekten mit dem Gemeinwohl koppeln. Auf dass unsere Städte wieder Orte der Identifikation werden.

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