Der Kommentar: Zwölf Jahre. So lange dauerte es vom Anfang der Ermittlungen bis zum Prozess. Wer sich überlegt, was er selbst in dieser langen Zeitspanne gearbeitet hat, was ihm gelungen und misslungen ist, weiss, was in einer solchen Frist möglich ist. Wer sich zudem vor Augen führt, welche Kapazitäten die Bundesanwaltschaft einsetzen kann, hat eine Vorstellung, was möglich sein muss. Es ist dies in jedem Fall mehr, als was die Bundesanwaltschaft mit ihrer 84-seitigen Anklageschrift vorzuweisen hat.

Das Versagen verlief auf mehreren Spuren. Schon der Ansatz, zu meinen, man könne das betrügerische System mit seinem verworrenen Mittelfluss ermittlungstechnisch quasi nachbauen, führte in die Irre; zielführend wäre gewesen, an einzelnen ausgewählten Fällen den konkreten Betrug nachzuweisen. Der über Jahre zuständige Bundesanwalt führte mit Behring einen persönlich gefärbten Zweikampf; angebracht wäre gewesen, der Erste Bundesanwalt hätte rasch persönliche Konsequenzen gezogen. Ein stringentes Ermittlungskonzept war über die Jahre nicht erkennbar; stattdessen änderte die Strategie mehrmals, grundsätzlich und immer panikbehafteter, je länger das Verfahren dauerte. Hilflos erscheint nur noch, dass sich die Anklage einzig gegen Dieter Behring richtet und sich alle seine Kumpane in die Ahnungslosigkeit retten können.

Dass die Bundesanwaltschaft als Behörde mit diesem Verfahren erneut an Glaubwürdigkeit eingebüsst hat, steht ausser Zweifel. Doch damit auch das ganze Justizsystem. Denn eine Gesellschaft, in der Menschen zu Schaden gekommen sind, hat nicht nur ein Anrecht, sondern auch ein tiefes Bedürfnis, zu wissen, wer als Täter die Verantwortung dafür zu übernehmen hat. Es geht dabei um Recht, aber auch um Gerechtigkeit.

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