Das Fallbeil liess auch der Chefredaktor der «Basler Zeitung» runtersausen: «Dienstschluss», titelte er. Derselbe Chefredaktor entschuldigte sich gestern für seine Rücktrittsforderung: «Ich liess mich hinreissen. Es war überstürzt. Nicht alle Fakten waren genügend klar. Dafür entschuldige ich mich.» Diese Worte verdienen Respekt.

Der Wind hat gedreht, seit Philipp Hildebrand am Donnerstag – endlich! – seine Sicht der Dinge darstellte. Und dabei glaubhaft erklärte, dass nicht er, sondern seine Frau am 15. August die 504000-Dollar-Transaktion in Auftrag gab. Somit war die «Atombombe» entschärft. Allerdings bleiben viele Fragen offen. Die moralischen Bedenken wurden oft genug artikuliert, auch von Hildebrand selber und von Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf (das ist auch nicht so schwierig). Was aber vor allem schwer wiegt, ist der Verdacht, dass die Insider-Vorwürfe gegen Hildebrand nicht unabhängig untersucht wurden.

Der Persilschein, den der Bankrat am 23. Dezember nach auffällig kurzer Prüfung durch die SNB-eigene Revisionsstelle PwC und den eidgenössischen Finanzkontrolleur ausstellte, leuchtete so blendend weiss, dass man ihm misstraut. Die durch öffentlichen Druck erzwungene Publikation des kompletten PwC-Berichts zeigt denn auch, dass die fragliche Transaktion als «heikel» bezeichnet wird. Ein starkes Wort, das zuerst vertuscht wurde. Hat Hildebrand vielleicht doch gegen das Reglement verstossen?

Darum ist richtig, dass nun eine externe Revisionsgesellschaft alle Banktransaktionen des SNB-Direktoriums seit 2009 überprüft, wie der Bankrat gestern Samstagabend (!) mitteilte. Wie so vieles in dieser Affäre kommt dieser Schritt zu spät. Das gilt auch für die ebenfalls gestern angekündigte Überarbeitung des Reglements über Eigengeschäfte. Das bisherige – gültig erst seit dem 1.Mai 2010 – ist derart schwammig, dass man glauben könnte, es habe nie eine Finanzkrise gegeben, die weltweit zur Verschärfung aller möglichen Reglemente und Verhaltensnormen geführt hätte. Verschärfungen notabene, welche das SNB-Direktorium bei den Geschäftsbanken in aller Härte durchdrückte.

Wer ist verantwortlich für das untaugliche Reglement? Wer hätte Hildebrands Transaktionen kritisch und unabhängig überprüfen lassen müssen? Wer hätte in der jetzigen Krisensituation Führung zeigen müssen?

Der Mann heisst Hansueli Raggenbass und ist als Bankratspräsident auf dem Papier der Chef von Philipp Hildebrand. Raggenbass wirkte an der Pressekonferenz neben dem staatsmännischen Hildebrand wie der Präsident eines Dorfvereins. Unsere Recherchen zeigen: Dieser Mann nimmt seinen Job nicht ernst. Wenn nach heutigem Wissensstand einer gehen muss, dann er.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!