Der Kommentar: Sepp Blatter war in den Medien alles: Pate, Sonnenkönig, Papst, sogar (Fussball-)Gott. Heute ist er nichts mehr davon. Suspendiert, verbannt, «Game over» wie der «Telegraph» titelte. Nur stimmt das nicht: Die grosse Sepp-Blatter-Show endete nicht diesen Donnerstagmittag in einem stickigen Zimmer der Fifa-Ethikkommission. Sie endet im pompösen Kongresssaal des Weltverbandes am 26. Februar. Dann wählt die Fifa einen neuen Präsidenten. Dann geht es um mehr als um Blatters Karriere, es geht um sein Vermächtnis.

Die Kernfrage hat sich aus Blatters Sicht nach der Suspendierung nicht geändert: Kann er den neuen Regenten der Fifa bestimmen – damit im Weltverband auch Platz für ihn bleibt? Niemand sollte glauben, dass Blatter nicht längst die Fäden im Hintergrund zieht. Er ist ein Überlebenskünstler, geübt durch ein jahrzehntelanges Training in einem Sumpf , den er selbst mitschuf. Der 79-Jährige hat eine «riesige Maschinerie aus Juristen, Beratern und detektivisch geschulten Helfern» um sich geschart, wie die «Süddeutsche Zeitung» treffend schreibt. Den Zürichberg braucht Blatter für seine Pläne nicht. Seine Wohnung wird zur Exil-Regierung.

Ein wichtiges Etappenziel hat Blatter auch dank der Ethikkommission bereits erreicht: Michel Platini, der Favorit für die anstehende Wahl und längst Blatters Intimfeind, wurde ebenfalls aus dem Verkehr gezogen. Platinis Kandidatur ist erledigt, auch wenn es die Europäer nicht wahrhaben wollen. Damit ist der Weg frei für einen aus Blatters Schattenkabinett. Dieser wird massgeblich mitentscheiden, wie der Walliser in die Fussballgeschichte eingeht. Der Fussballgott mag vom Zürichberg verbannt worden sein, der letzte Akt der drei Jahrzehnte dauernden One-Man-Show hat aber erst begonnen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper