Was ist nun von diesem Monstervertrag zu halten? Die ersten Reaktionen von wichtigen Wirtschaftsverbänden lassen vermuten, dass die Schweizer Delegation sehr viel herausgeholt hat. Die Maschinen-, Pharma- und Uhrenindustrie zeigen sich jedenfalls zufrieden mit den vereinbarten Zollsenkungen. Doch die Exporteure müssen auch bittere Pillen schlucken: Längst nicht auf allen Produkten konnten sie tiefere Zölle durchsetzen. Für gewisse Textilmaschinen etwa, die in Konkurrenz zu chinesischen Fabrikaten stehen, bleiben hohe Zölle bestehen.

Hans Hess, der Präsident des Industriellenverbands Swissmen, stellt lapidar fest: «Das ist halt auch ein Teil der Realität.» Für die Schweizer Exportindustrie spricht, dass sie trotz dieses Handicaps nicht den Kopf hängen lässt. China ist ein Schwergewicht, das seine Forderungen eigenmächtig durchsetzen kann. Dazu gehört, dass die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt künftig praktisch sämtliche Exportprodukte zollbefreit in die kleine Schweiz einführen kann.

Dazu gehören auch Lebensmittel. Importschranken für Früchte, Gemüse und Fleisch werden fallen. Tiefgekühlte Erdbeeren, Poulet und Schlachtabfälle sind zwischen den Ländern nun frei handelbar. Zwar gibt es Ausnahmen, so ist etwa der Import von chinesischem Schweinefleisch nicht zollbefreit. Doch in Zukunft werden wohl vermehrt chinesische Lebensmittel auf unseren Tellern laden. Noch ist die Vorstellung wenig appetitlich. Zu lang ist die Liste der chinesischen Lebensmittelskandale. Wenn wir kein Rattenfleisch oder Antibiotika-belastetes Pouletgeschnetzeltes aufgetischt bekommen wollen, müssen die Schweizer Behörden die Kontrollen deutlich ausbauen. Das ist wichtig, damit das Abkommen nicht nur der Exportwirtschaft schmeckt, sondern uns allen.

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