Medaille verpasst. Am Donnerstag erhält er auf der grossen Schanze am Holmenkollen nochmals eine Chance.

Der Kommentar: Wenn der Doppel-Olympiasieger von Vancouver bei den Weltmeisterschaften neben dem Podest landet, dann ist das eine Enttäuschung. Für einen Athleten mit dem Format und dem Palmarès von Simon Ammann können bei Titelkämpfen nur Medaillen zählen. Es gibt deshalb keinen Grund, das Ergebnis schönzureden. So wenig ihm auch zu einer Medaille gefehlt hat: Ammann hat sein Ziel beim ersten WM-Auftritt in Oslo nicht erreicht.

Eine Überraschung ist dieses Ergebnis allerdings nicht. Das gestrige Abschneiden ist ein Abbild von Ammanns Saison. Der Überflieger des Olympiawinters springt zwar mit bemerkenswerter Konstanz an der Weltspitze mit, aber nie mehr so unwiderstehlich wie vor einem Jahr. Als Beobachter erhält man den Eindruck, jeder Sprung sei von neuem ein Kampf. Die unendliche Leichtigkeit des Fliegens, die Ammann im letzten Winter verkörperte, hat sich in Luft aufgelöst.

Dafür gibt es eine Erklärung. Ammann litt im Frühling und Sommer unter Rückenproblemen und konnte die Saisonvorbereitung erst mit Verspätung in Angriff nehmen. Den Trainingsrückstand, den er sich dabei einhandelte, schleppt er noch immer mit sich. Und sein Körper – neben dem Rücken insbesondere die Beine – spielt im entscheidenden Moment nicht immer mit. Um ganz vorne landen zu können, ist der Olympiasieger deshalb auch auf die Tagesform angewiesen.

Sechsmal klassierte sich Ammann diesen Winter im Weltcup als Dritter, sechsmal war er Vierter. Nur einmal konnte er gewinnen. Vor diesem Hintergrund darf man nicht erstaunt sein, wenn es auch an der WM nicht zum Sieg reicht. Dennoch ist dem Toggenburger im zweiten WM-Springen alles zuzutrauen.

Ammann ist bekannt dafür, dass er an Titelkämpfen oft über sich hinauswachsen kann. Zudem liegt ihm die Grossschanze tendenziell besser, weil dort seine exzellenten fliegerischen Qualitäten besser zum Tragen kommen. Das heisst aber nicht, dass ein kräftiger Absprung überflüssig wäre: Simon Ammann ist auch am Donnerstag darauf angewiesen, dass sein Körper mitspielt.

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