Und nun kommt diese Eishockey-Nationalmannschaft und schreibt an der WM in Schweden ein «Märchen», wie selbst die «New York Times» schwärmerisch kommentierte, noch bevor Niederreiter, Walker und Suri ihre Nation aus dem Turnier warfen. Sie siegen dank typisch helvetischen Qualitäten wie gutem Handwerk und Fleiss, aber auch dank einer fast südländischen Unbeschwertheit – und dank einem unbändigen Erfolgshunger.

Es ist diese Kombination, die wohl auch die Schweiz als Land so erfolgreich macht, sei es im Sport, in der Kultur, in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft. Nur jeder 1000. Erdenbewohner ist Schweizer. Wenn es aber um Spitzenleistungen geht, scheinen die Eidgenossen allgegenwärtig zu sein. Das sieht man sogar im Kleinen: Schon wieder hat vergangene Woche eine Schweizerin bei «Deutschland sucht den Superstar» gewonnen.

In der Musik und im Sport werden Spitzenleistungen bejubelt, anderswo – insbesondere in der Wirtschaft, teilweise auch in der Forschung – scheinen sie zunehmend suspekt zu sein. Der Kanton Zürich stimmt bald über die «Bonzen-Steuer» ab. Die 1:12- und die Erbschaftssteuerinitiative sind weitere Symptome eines Klimas, in dem Leistung sich nicht mehr so lohnen darf.

Es ist die Stunde der «Eisgenossen». Es ist aber auch die Stunde der Neidgenossen.

Die Eisgenossen sind hungrig, viele Eidgenossen aber sind satt. Sie erinnern bisweilen an Söhne und Töchter schwerreicher Familien, die nicht mehr wissen, woher ihr Wohlstand kommt.

Die Hockey-Nati erlebt gerade die erfolgreichste WM in der Sportgeschichte. In der Fussball-Nati haben die Secondos aus dem Kosovo den Geist der Wohlstandsverwahrlosung vertrieben. In der Politik, in unserer Gesellschaft aber verbreitet sich dieser zurzeit weltmeisterlich schnell.

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