Das Foto auf unserer Frontseite ist gerade mal drei Jahre alt. Couchepin sagt heute, er sei «stolz» auf seinen damaligen Ägyptenbesuch. Das ist ehrlich – und mutig. Denn aus dem Präsidenten Mubarak ist innerhalb von 18 Tagen der Despot Mubarak geworden. Ein Diktator, ein Unterdrücker. Einer, der seine Sicherheitspolizei mit aller Härte gegen sein Volk einsetzt.

so war er allerdings schon immer und nicht erst seit den Unruhen. Nur hat es im Westen kaum jemanden interessiert. Nicht die Politiker, nicht die Medien, schon gar nicht die Unternehmen, die gute Geschäfte machten. «Was war die Alternative?», fragt Couchepin rhetorisch. «Dass die Schweiz nicht in Ägypten investiert und die Leute noch ärmer werden?» Er wagt gar die Vermutung, dass die Revolution genau deshalb möglich wurde: Es sei eine Mittelklasse entstanden – die nun auf der Strasse Freiheit gefordert habe.

Diese Freiheit haben sich die Menschen auf dem Tahrir-Platz selbst erkämpft, ohne wirkliche Unterstützung durch die westlichen Regierungen. US-Präsident Obama stellte sich erst nach Mubaraks Sturz vorbehaltlos auf die Seite der Demonstranten, ebenso Europas Regierungschefs.

Angesichts der historischen Dimension fällt auf, dass der Jubel ausserhalb Ägyptens verhalten bleibt. «Ach, Europa! Warum freust du dich so gedämpft?», fragte gestern der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck in der «Welt»; für ihn ist Kairo 2011, was Berlin 1989 war. Die Antwort ist klar: Niemand weiss, wie es in Ägypten weitergeht. Was nun in Algerien, in Jemen, in Jordanien passiert. Ob die Islamisten an Einfluss gewinnen oder nicht.

Natürlich kann vieles schiefgehen, das ist bei jedem Umbruch so. Doch die friedliche Art und Weise, wie die Menschen Mubarak stürzten, stimmt zuversichtlich. Es war der Drang nach Freiheit, der das Volk aufstehen liess. Freiheit ist der Anfang und die Grundlage der Demokratie. Deshalb ist die Zeitenwende in Ägypten vor allem eines: ein grossartiger Grund zur Freude.