Der Kommentar: Es ist nicht übertrieben, von einem Desaster zu sprechen. Selbst die der Credit Suisse verbundene NZZ schreibt diese Woche von einer «leisen Katastrophe». Die CS ist zweifellos an einem Tiefpunkt angelangt. Der Verantwortliche war schnell gefunden: Brady Dougan, der alte Konzernchef, habe Altlasten zu lange vor sich hergeschoben. Der neue Chef Tidjane Thiam müsse jetzt eben aufräumen.

Diese Einschätzung ist nicht falsch. Aber sie überdeckt die Tatsache, dass die Probleme nicht nur in der Vergangenheit liegen, sondern auch in der Gegenwart. Sie überdeckt, dass der Radikalumbau der Bank die Anleger enttäuscht hat. Und sie überdeckt, dass der Verwaltungsrat viel zu lange untätig blieb. Warum hat er ihn so lange gewähren lassen, wenn Brady Dougan angeblich so vieles falsch machte?

Nein, das Problem ist nicht Dougan, sondern der Verwaltungsrat selbst. Seit bald sieben Jahren sitzt Urs Rohner im höchsten Aufsichtsgremium CS. Er ist der Hauptverantwortliche der Bank und damit der Hauptverantwortliche für den Kriechgang. Nach all den Jahren fragt man sich, was der frühere Medienmanager die ganze Zeit eigentlich gemacht hat.

Sein Leistungsausweis als Präsident ist dünn und dürftig. Spätestens nach dem Abschluss des US-Steuerverfahrens der Bank Julius Bär zeigt sich, wie schlecht die CS in Amerika verhandelt hat. Die Bären kommen wesentlich günstiger weg als die CS, die sich mangelnden Kooperationswillen vorwerfen lassen musste. Das geht auf das Konto von Jurist Urs Rohner und seiner Rechtsabteilung. Selbstkritik und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sind im Verwaltungsrat der CS nicht erkennbar.

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