Dschihadisten überfordern Paris

Die Nachricht: US-Soldaten haben in einem französischen Schnellzug einen schwer bewaffneten Mann überwältigt. Er ist Islamist und wollte offenbar ein Blutbad anrichten.

Der Kommentar: Schon wieder versetzt ein mutmasslich islamistischer Attentäter Frankreich in Angst und Schrecken. Diesmal konnte er gestoppt werden, bevor es zur Katastrophe kam. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve verschwieg zuerst die Identität des Täters und zögerte, von einem «Terrorakt» zu sprechen. Doch dann wurde bekannt, dass der 26-jährige Franko-Marokkaner in Spanien wegen Zugehörigkeit zu einer islamistischen Vereinigung registriert war. Sein Profil ähnelt demjenigen anderer Attentäter: Offenbar war er über die Türkei nach Syrien gereist und kehrte als Terrorist zurück in seine Heimat.

Die Häufung solcher Attentate erklärt wohl teilweise die vorsichtige Reaktion der französischen Regierung. Sie will unter allen Umständen einen Wiederholungseffekt vermeiden – wohl wissend, dass aus französischen Vorstädten Hunderte von jungen Männern und Frauen in den Dschihad gereist sind. Einige wurden nach ihrer Rückkehr mit konkreten Attentatsplänen gefasst. Die Geheimdienst-Kontrolleure sind, auch wenn ständig aufgestockt, durch die Zahl dieser Amateur-Dschihadisten aus der Banlieue völlig überfordert. Der TGV-Attentäter war zum Beispiel dank dem Hinweis aus Spanien in einer sogenannten «S-Fiche» als Islamist geführt; er wurde aber wie zuvor der Enthaupter von Lyon nicht weiter überwacht.

Für die Franzosen ist der jüngste Attentatsversuch auch darum ein Schock, weil er in einem Zug stattfand. Da kann es jeden treffen. Bereits wird über verschärfte Sicherheitskontrollen in TGV diskutiert – analog zu den Flughäfen. Kommt es so weit, würde dies den Zeitvorteil des Zugfahrens zunichtemachen.

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