Der Kommentar: Auf die exportorientierte Maschinenindustrie hat sich die Erstarkung des Frankens unverzögert und in aller Härte ausgewirkt. Dies sei nicht weiter schlimm, argumentieren wirtschaftsliberale Politiker. Das führe zu einem Stahlbad für die Industrie, aus dem diese effizienter und dadurch wettbewerbsfähiger hervorgehe.

Im Vergleich dazu ist die Situation der Pharmaindustrie geradezu komfortabel. Wegen des staatlichen Preismechanismus wirkt sich der tiefe Euro bei den kassenpflichtigen Medikamenten erst mit einer Verzögerung von drei Jahren (!) auf die Umsätze im Schweizer Markt aus. Die Branche hat also so viel Zeit wie niemand sonst, sich auf tiefere Kurse einzustellen und entsprechende Effizienzmassnahmen einzuleiten. Kommt hinzu, dass die Schweizer Pharmaindustrie bloss 1 bis 2 Prozent ihres Umsatzes in der Schweiz erwirtschaftet. Trotzdem fordert diese nun, die Angleichung der Schweizer Preise an das tiefere Euroniveau auszusetzen.

Dagegen spricht auch, dass knapp 70 Prozent der in der Schweiz konsumierten Medikamente aus dem Ausland stammen. Das heisst, die Schweizer Patienten und Krankenkassen alimentieren bei zwei Dritteln ihrer Medikamentenkäufe die Währungsgewinne ausländischer Produktionsstandorte.

Die Forderung nach einer Beibehaltung überhöhter Wechselkurse ist deshalb nicht nachvollziehbar – gerade auch angesichts des Eurostahlbads für die restliche Industrie. Die Drohung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen ist der ansonsten innovativen Pharmaindustrie unwürdig.

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