Der Kommentar: Doris Fiala ist keine Abzockerin. Die FDP-Nationalrätin schmückt sich auch nicht mit einem gemeinnützigen Mandat. Sie meint es ernst mit ihrem Engagement für die Aids-Hilfe Schweiz. Wer sie kennt, der weiss, wie sehr sie sich ins Zeug legt. Das Grundproblem ist auch nicht, dass sie für ihr Präsidium jährlich 50 000 Franken bekommt, wie der «Tages-Anzeiger» publik machte.

Fialas Problem ist, was durchaus auch eine Stärke sein kann: ihre Sturheit. Die PR-Fachfrau will nicht einsehen, dass sie die Situation von Anfang an unterschätzt hat. Sie mag eine Expertin in Krisenkommunikation sein, aber in eigener Sache leistet sie sich grobe Schnitzer. Es begann damit, ein bezahltes Amt bei einer finanziell serbelnden Organisation als «Herzensangelegenheit» zu bezeichnen.

Erstens: Fiala hat es versäumt, sich an der Generalversammlung durchzusetzen und darauf zu pochen, die Entschädigung offensiv zu kommunizieren. Zweitens: Sie verknüpft ihr Amt mit dem Schicksal der Aids-Hilfe. Die Organisation sei am Ende, wenn die Medien nicht vom Thema lassen. Damit überschätzt sich Fiala selber. In der Konsequenz müsste sie das Amt sofort niederlegen, wenn es ihr nur darum geht, dass Ruhe einkehrt. Drittens: Der Schaden ist angerichtet – und nicht, weil eine Kampagne gegen sie läuft, wie Fiala sagt. Damit schiebt sie die Verantwortung ab.

Es fehlt Fiala an Einsicht. Das wird klar, wenn sie selbst einen TV-Auftritt auf dem Arbeitsrapport vermerkt. Sie fühlt sich missverstanden und zu Unrecht angegriffen. Damit ist sie in die eigene PR-Falle getappt. Wenn sich Fiala nicht schleunigst daraus befreit, verliert sie weiter an Kredit. Und mit ihr die Aids-Hilfe.

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